Home Literatur Epochen Deutsch - Referate Erörterungen Gedichte Biografien Biologie und Chemie Geschichte - Referate Geografie - Referate Dienstprüfung - B-Prüfung Gästebuch Forum Links und Chat


Wunschloses Unglück - autobiograf. Erzählung 1972:

Autor: Peter Handke geb. 1942

Entstehungszeit: 1972

Textsorte: autobiografische Erzählung

Literarische Richtung: Österr. Literatur nach 1945 (Sozialkritische und autobiografische Literatur von 1968-1980)

Sprachliche u. stilistische Merkmale: Frauenbiographie " ( Biographie seiner Mutter) im Stil des Realismus auch im formalistischen Stil. Der Ich-Erzähler passt seinen Schreibstill dem Inhalt an, er versucht wie seine Mutter auszubrechen.

Weitere Werke:

"Kaspar" (1968, Theater)
"Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1969, Roman)
"Der kurze Brief zum langen Abschied" (1972, autobiographischer Roman)
"Langsame Heimkehr" (1979, Erzählung)
"Langsam im Schatten" (1992)

Der Autor:

Peter Handke wurde 1942 in Griffen, Kärnten geboren. Er besuchte ein Gymnasium für Priesterschüler und studierte dann 4 Jahre Jus in Graz. Als Mitglied des "Forum

Stadtpark" veröffentlichte er seine ersten Texte in der Zeitschrift "Manuskripte".

Peter Handke schreibt Theaterstücke, Prosa, Gedichte und Hörspiele.

Sein Name müsste allen spätestens seit seinen umstrittenen Reiseberichten aus Serbien, ein Begriff sein.

Personen:

Mutter

Vater (leiblicher Vater)

Stiefvater und Ehemann seiner Mutter

Bruder: Zimmermannmeister

"Wunschloses Unglück" verfasste er sieben Wochen nach dem Tod seiner Mutter, also im Jahr 1972.

Inhalt:

Wunschloses Unglück ist die Erzählung des Lebenslaufes von Peter Handkes Mutter, Maria. Handke hat das Werk nach dem Selbstmord seiner Mutter geschrieben.

Aufgewachsen in einem kleinen Ort in Kärnten, wird sie von ihrem Vater unterdrückt. Sie ist eine sehr begabte Schülerin und fröhliche Person und auch gewillt, etwas zu erlernen. Da sie aber ihr Vater nicht weiterlernen lässt, verlässt sie mit 15 ihre Heimatstadt und startet ein neues Leben. Sie genießt Feste und andere Gemeinschaftserlebnisse. Sie beginnt in einem Hotel als Stubenmädchen und Köchin zu arbeiten, verliebt sich in einen deutschen Parteigenossen und wird von diesem schwanger. Doch noch vor der Geburt heiratet sie einen Unteroffizier, obwohl sie diesen nicht liebt. Sie zieht mit ihm und ihrem bald darauf geborenen Kind Peter nach Berlin, in die Heimat ihres Ehemanns. Die Ehe ist eher eine Scheinehe und Maria bleibt nur bei ihrem Mann, weil es zu dieser Zeit nicht möglich gewesen wäre, ein uneheliches Kind allein aufzuziehen und den Anspruch auf ein Ehestandsdarlehen zu erwerben. Während des Krieges lebt sie allein auf dem Land. Nach dem Krieg kehrt sie zu ihrem Mann zurück, der aber in der Zwischenzeit mit einer Freundin zusammenlebt. Sie verbindet eine Hassliebe, sie gehen aus, ihre alte Selbstständigkeit kommt wieder. Als Folge ihrer ,,kümmerlichen Lebensumstände" und wohl auch aus Hass gegen die sie beherrschenden Männer - alles Alkoholiker - treibt sie zwei Kinder ab.

Schließlich verlässt die Familie mit 2 Kindern den Ostsektor Berlins ohne Papiere. Wieder in Österreich lebt sie bei ihrer Familie. Ihr Mann wird eingestellt, sie selber bekommt nach einer weiteren Abtreibung ein weiteres Kind.

Sie beginnt selbstbewusster zu werden und verabscheut ihren Gatten noch mehr. Er ist ein Säufer. Lustlos erledigt sie ihre täglichen Aufgaben.

Maria fühlt sich immer mehr für andere schuldig. Sie wird sehr krank, bekommt starke Kopfschmerzen und betäubt sich nun mit Medikamenten, sodass sie nichts mehr wahrnehmen kann. Schließlich fährt sie zu einem Nervenarzt, dieser stellt einen Nervenzusammenbruch fest, verschreibt ihr als Therapie, zur Abwechslung eine Reise zu unternehmen. Doch die Reise bringt nicht viel und nachher verfällt Maria wieder.

Maria denkt zwar öfter ans Sterben, doch graust ihr gleichzeitig davor. Sie kehrt immer mehr in sich zurück, lässt niemanden mehr an sich heran. Ihre Sehnsucht nach dem Tod wird von Tag zu Tag größer, aber sie sucht wieder Kontakt zu ihrem ältesten Kind, Peter Handke. Mit ihm hat sie ein wenig Briefkontakt. Er versucht ihr auch zu helfen, kann aber die letzte Konsequenz nicht aufhalten.

Eines Tages schreibt Maria Abschiedsbriefe an alle Angehörigen und bringt sich dann mit Schlaftabletten und Antidepressiva um. Ein Leben voll von ,,wunschlosem Unglück" findet sein Ende. Peter Handke hat mit dieser berührenden Schilderung des erschütternd elenden und dabei gleichzeitig auch bewundernswerten Lebens seiner Mutter ein Denkmal gesetzt.

Besonders eindrucksvoll schildert Handke die sozialen Zwänge, denen seine Mutter (als Beispiel für viele) ausgesetzt war.

zurück zur Deutsch-Seite