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Woyzeck (Karl Georg Büchner):

Inhalt:

Der Soldat Woyzeck gehört zur untersten Gesellschaftsschicht, ist arm, ungebildet und fühlt sich hilflos den Schikanen seiner Dienstherren preisgegeben. Der Sold ist so gering, dass er versuchen muss, sich auf jede nur erdenkliche Art Geld zu verdienen. Seinen Hauptmann rasiert er täglich, und hier bekommt er allerhand Sticheleien zu hören, etwa Zitat: "Oh. Er ist dumm, ganz abscheulich dumm! Woyzeck. Er ist ein guter Mensch - aber (mit Würde) Woyzeck.

Er hat keine Moral!" Der Hauptmann wirft ihm selbstgerecht vor, dass er unverheiratet mit seiner geliebten Marie zusammenlebe und ein Kind "ohne den Segen der Kirche" habe. Woyzeck fällt in seiner unbeholfenen Art eine Antwort schwer, er kann nur so viel an Worten zusammenbringen: "Es muss etwas Schönes sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl!", Leute mit sattem Magen tun sich eben leichter bei der Tugend. Woyzeck grübelt verbissen über dieses Gespräch nach, aber es verwirrt ihn nur. Weitere Nebeneinnahmen erhält Woyzeck von einem Doktor, der ihn für medizinische Experimente missbraucht; er darf wochenlang nichts als Erbsen essen und bekommt Schwindelanfälle. Als Woyzeck seine Ängste mitzuteilen versucht, urteilt der Doktor knapp. Zitat: "Er ist ein interessanter Kasus. Subjekt Woyzeck. Er kriegt Zulage, halt Er sich brav "

Währenddessen wird ein forscher Tambourmajor auf Marie, Woyzecks hübsche Geliebte, aufmerksam. Er folgt ihr überall hin und macht ihr beharrlich Anträge. Das schlichte Mädchen, sonst nur von ihren Dienstgebern als Magd gedemütigt, kann den Schmeicheleien auf Dauer nicht widerstehen und gibt dem Drängen nach. Bald spricht sich das Verhältnis herum, und besonders der Hauptmann macht sich über den Betrogenen lustig. Anfangs will Woyzeck an Maries Untreue nicht glauben, aber nach einem heftigen Streit gibt sie alles zu. Für Woyzeck bricht eine Welt zusammen - nun hat man ihm das einzige genommen, was er auch wirklich besessen hat. Im Wirtshaus sieht er Marie in wilder Umarmung mit dem Tambourmajor tanzen. Halb betäubt von diesem Anblick fordert er seinen Rivalen zur Rauferei heraus, wird aber von dem kräftigen Offizier verprügelt. Jetzt überkommt Marie die Reue, auch sorgt sie sich um die Zukunft ihres Kindes. Doch es ist zu spät, in rasender Eifersucht wird sie am Rand eines Teiches von Woyzeck erstochen. Dann stürzt er noch einmal ins Wirtshaus, um sich sein Entsetzen wie besessen von der Seele zu tanzen. Man entdeckt Blut an seinem Ärmel. Woyzeck flieht und ertränkt sich im Teich, an dem er Marie getötet hat.


Interpretation Eifersucht:

Einen wichtigen Aspekt in diesem Stück spielt die Eifersucht Woyzecks, wegen der Woyzeck am Schluss Marie umbringt. Die Eifersucht ist allerdings nicht allein der Grund für die Tat Woyzecks, es gibt viele Motive und es ist ein langwieriger Prozess der zu diesem Ergebnis führt. Woyzeck ist von seiner sozialen Stellung in der Gesellschaft und von existenziellen Nöten geprägt, da er sich an der untersten Stelle der gesellschaftlichen Hierarchie befindet. Er wird auch oftmals von den sozial höherstehenden Personen, wie dem Doktor, Tambourmajor oder Hauptmann erniedrigt. Da Woyzeck die Hauptperson des Stückes ist, um die alle Themenbereiche kreisen, ist im folgenden das Verhältnis von Woyzeck zu den anderen Figuren des Stückes sehr wichtig.
Beim Doktor wird er mit den "Erbsen – Experiment" für dessen Studium verwendet. Aber nicht genug damit, Woyzeck wird noch öffentlich zur Schau gestellt wobei er dabei vollends zum Objekt degradiert und vom Doktor sogar als Bestie bezeichnet wird. Szenen wie diese zeigen wie weit die Würde eines Menschen verletzt werden kann. Vom Hauptmann erhält er zu Beginn des Stückes einen Vortrag über die Moral ("Hauptmann. ...Er hat keine Moral! Moral, das ist, wenn man moralisch ist, versteht).

Er. ... Er hat ein Kind ohne den Segen der Kirche."). Auch der Tambourmajor erniedrigt Woyzeck, indem er seine Geliebte verführt. Aber nicht nur das, er zeigt ihm, dass er ihm unterlegen ist sowohl durch verbale Attacken als auch durch einen Ringkampf. Diese zahlreichen Erniedrigungen lassen erkennen, dass die Ermordung Maries nicht so sehr eine Eifersuchtstat als eine Verzweiflungstat ist. Er kann seine erbärmliche Existenz nur durch seine Bindung zu Marie ertragen, als er allerdings von ihr verraten wird bleibt ihm nichts mehr von seinem Lebensinhalt und er verliert seinen letzten Ansprechpartner. Wegen dieser Notlage bekommt er Wahnvorstellungen und Halluzinationen und hört Stimmen, die ihn letztendlich zum Mord an Marie auffordern. Allerdings ist der Mord an Marie lediglich eine Verzweiflungstat, durch die er seine letzte Hoffnung verliert. Die eigentlichen Verursacher seiner trostlosen Lage bleiben verschont, unter anderem deshalb da sie stärker und sozial höhergestellter sind als er. Marie ist allerdings eine Frau und schwach genug damit er seinen Zorn an ihr auszuleben kann. In dem Drama Woyzeck spiegelt sich das Leiden der unteren Stände, in denen sich Woyzeck zweifellos befindet. Es stellt die Kluft zwischen oberer und unterer sozialer Schicht dar und Büchner versucht mit diesem Stück die untere Schicht zu unterstützen und nicht zu schänden.

Woyzeck und Hauptmann:

Woyzeck, ein einfacher Soldat und Friseur, hat nur ein geringes Einkommen, weshalb er, um seine finanzielle Lage zu verbessern, den Hauptmann mehrmals rasiert. Dort wird sofort die Konstellation Vorgesetzter - Untergebener zwischen Hauptmann und Woyzeck deutlich. Während des Rasierens sprechen die beiden miteinander, ein wirklicher Dialog entsteht jedoch zunächst nicht, denn als Untergebener reagiert Woyzeck auf die Äußerungen des Vorgesetzten wie auf einen Befehl und sagt lediglich dreimal "Jawohl, Herr Hauptmann." (S. 4) Woyzeck reagiert auf die Ausführungen des Hauptmanns erst mit Argumenten, als dieser ihm vorwirft, er habe keine Moral, weil er Vater eines unehelichen Kindes ist, und er sei kein tugendhafter Mensch. Woyzeck entschuldigt sich mit seiner Armut, denn in seinen Augen fehlen den armen Leuten die materiellen Voraussetzungen für ein moralisches und tugendhaftes Leben. Er ist aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, Marie, die Mutter seines Kindes, zu heiraten. Hier wird die Unterlegenheit Woyzecks deutlich, denn er kritisiert nicht den Zusammenhang zwischen Moral und gesellschaftlichen Zuständen, sondern er erkennt die Gegebenheiten an und entschuldigt nur sein Unvermögen, diesen nicht entsprechen zu können. Seine Resignation bezüglich seines sozialen Standes erstreckt sich sogar auf ein Leben nach dem Tod. Woyzeck rechnet nicht mit einer Erlösung im Himmel, dieser ist für ihn nur eine Verlängerung seines irdischen Lebens. Zitat: "Ich glaub, wenn wir in den Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen." (S. 5)

Auch in der Beendigung der Diskussion wird deutlich, dass Woyzeck vollkommen resigniert, denn in seinem letzten Satz weist er nochmals auf die soziale Distanz zwischen ihm und seinem Vorgesetzten hin. Zitat: "Aber ich bin ein armer Kerl." (S. 5) Während des gesamten Dialogs wird die Überheblichkeit in der Sprache des Hauptmanns deutlich. Auch dadurch, dass er Woyzeck mit einem herablassenden "Er" anredet, wohingegen Woyzeck als Anredeform das respektvolle "Sie" verwendet, wird der Standesunterschied deutlich. Er verhält sich Woyzeck gegenüber zwar freundlich, aber zugleich herablassend, wodurch er sich seine eigene moralische Überlegenheit beweist. Im späteren Verlauf des Stückes kann sich Woyzeck nur noch durch Flucht den Demütigungen des Hauptmanns entziehen, denn er läuft weg, um die bösartigen Anspielungen auf Marie und den Tambourmajor nicht länger anhören zu müssen.

Woyzeck und Andres:

Woyzeck und Andres sind beide einfache Soldaten, die sich in der gleichen sozialen Stellung befinden. Dies wird von Büchner mehrmals betont, denn beide zusammen führen in der zweiten Szene eine niedere Tätigkeit aus, nämlich das Stöcke schneiden. In der Kaserne schlafen sie sogar in einem Bett. Andres ist Woyzeck gegenüber keine Person, von der er in irgendeiner Weise abhinge oder der er unterlegen wäre, trotzdem kann Andres den Gemütszustand des Woyzeck nicht nachempfinden und es kann somit nicht zu einem verständnisvollen Gespräch der beiden kommen. Durch seine Visionen und Halluzinationen, die seinen späteren Wahnsinn schon andeuten, erscheint Woyzeck sogar unter seinesgleichen als isoliert. Andres entzieht sich Woyzecks Halluzinationen, indem er ein Lied singt.

Woyzeck und Marie:

Woyzecks Beziehung zu Marie ist letztlich unbefriedigend, denn Marie kann Woyzeck und seine Bedürfnisse nicht verstehen. Seine Phantasien und Wahnvorstellungen sind ihr unheimlich. Schon beim ersten gemeinsamen Auftreten beider wird die Entfremdung deutlich, bei jedem Versuch einer Kommunikation reden sie aneinander vorbei. Trotzdem sieht Woyzeck in Marie einen festen Halt und glaubt durch sie der Einsamkeit entrinnen zu können. Der Mord an Marie kann somit zugleich als der soziale Selbstmord Woyzecks angesehen werden. Denn durch diese Tat hat Woyzeck seine allerletzte Existenzgrundlage zerstört. Doch wie kam es überhaupt zu diesem Mord? Aufgrund ihres unbefriedigenden Lebens mit Woyzeck beginnt Marie ein Verhältnis mit einem Tambourmajor, der ihre ganzen Bedürfnisse erfüllt. Woyzeck schöpft zum ersten Mal Verdacht, als er die Ohrringe bei Marie entdeckt, die ihr der Tambourmajor geschenkt hat. Durch die Anspielungen des Hauptmanns bekommt Woyzeck dann Gewissheit. Seine ganze Verzweiflung spricht aus den Worten: "Herr Hauptmann, ich bin ein armer Teufel - und hab sonst nichts auf der Welt. Herr Hauptmann, wenn Sie Spaß machen -" (S. 16). Woyzeck sieht keine Möglichkeit mehr, Marie zurückzugewinnen. Da er sie aber auch nicht dem Tambourmajor überlassen will, findet er keinen anderen Ausweg als Marie zu töten. Marie macht in diesem Stück keine lineare Charakterentwicklung durch, sie wird als spontan und sprunghaft dargestellt. Einerseits macht sie sich Vorwürfe, weil sie Woyzeck betrogen hat, andererseits entschuldigt sie sich dadurch, dass sie ihre natürlichen Bedürfnisse in ihrer sozialen Lage nur dann befriedigen kann, wenn sie Woyzeck betrügt.

Woyzeck und Tambourmajor:

Der Tambourmajor wird als das krasse Gegenteil von Woyzeck charakterisiert. Während Woyzeck kein imposanter Mann und durch die medizinischen Experimente körperlich geschwächt ist, wird der Tambourmajor als gutaussehend, als "Mann, wie ein Baum" (S. 6) beschrieben. Als Woyzeck im Wirtshaus mit seinem Rivalen konfrontiert wird, unterliegt er ihm bei einer Schlägerei, wodurch die Überlegenheit des Tambourmajors gegenüber Woyzeck deutlich wird. Woyzeck muss also eine weitere Demütigung hinnehmen, seine Unterdrücktheit ist offensichtlich. In dieser Szene ist erneut das Imponiergehabe des Tambourmajor, wie schon in der Stadtszene mit Marie am Fenster, zu sehen.

Woyzeck und Doktor:

Woyzeck hat aus finanziellen Gründen mit dem Arzt einen Vertrag abgeschlossen, der ihm vorschreibt eine Diät zu machen, bei der er sich ausschließlich von Erbsen ernähren darf. Außerdem muss er seinen gesamten Harn abliefern. Der Doktor sieht in Woyzeck keinen Menschen, sondern lediglich ein Versuchsobjekt, welches der Wissenschaft dient.

Der Zynismus wird deutlich, als der Doktor Woyzeck den freien Willen abspricht, wobei Woyzeck durch einen Vertrag gebunden ist und gar keinen freien Willen haben kann. Später wird Woyzeck auch noch vom Doktor als Demonstrationsobjekt benutzt, um seinen Studenten eine anschauliche und durch Späße aufgelockerte Vorlesung zu bieten. Woyzeck findet keinerlei Mitleid und keine Gesprächsmöglichkeit bei diesem Wissenschaftler, so dass ihm nur ein resigniertes Zitat:

"Ach, Herr Doktor!" bleibt (S. 13). Er ist den Demütigungen des Doktors völlig hilflos ausgesetzt. Der Doktor zeigt sich nur besorgt, wenn Woyzeck durch sein Verhalten die medizinischen Experimente gefährdet.

Alle Bemühungen Woyzecks, ein Gespräch zu eröffnen, werden vom Doktor konsequenterweise überhört oder als unsachliches Philosophieren bezeichnet.

Woyzeck steht einer sozial höher gestellten Person gegenüber, der er hilflos ausgeliefert ist.

Der Doktor wird nur mit Berufsbezeichnung genannt und kann somit nicht als individuelle Figur verstanden werden, sondern nur als Gattungsvertreter eines Standes. Wogegen Woyzeck mit seinem Eigennamen bezeichnet wird.

Der Doktor ist skrupellos, menschenverachtend, arrogant und pflichtvergessen. Er trägt, neben den anderen Personen die ihn ausnutzen, einen großen Teil der Schuld an Woyzecks geistiger Umnachtung.

Hauptmann/Doktor und Woyzeck:

In der Straßenszene, als Hauptmann und Doktor zusammentreffen, wird deutlich, dass die beiden Berufsstände sich nicht mögen. Der Doktor wird vom Hauptmann als "Herr Sargnagel" bezeichnet und umgekehrt der Hauptmann als "Exerzierzagel" (S. 14). Als ihnen dann aber Woyzeck begegnet, lassen sie von ihrer Auseinandersetzung ab, um sich gemeinsam gegen ihn zu wenden. Dadurch wird die Stellung Woyzecks als Untergebener wieder deutlich gemacht, Hauptmann und Doktor treten gegenüber Woyzeck als die Repräsentanten der Herrschenden auf. Durch die Andeutung des Hauptmanns, Marie habe ein Verhältnis mit dem Tambourmajor, wird Woyzecks letzter sozialer Halt zerstört. Die Gewissheit, die letzte menschliche Bindung verloren zu haben, entfremdet Woyzeck jetzt der ganzen Welt, was sich in seinem Ausspruch: "Herr Hauptmann, die Erd ist höllenheiß - mir eiskalt, eiskalt - die Hölle ist kalt, wollen wir wetten. -- Unmöglich! Mensch! Mensch! Unmöglich!" (S. 16) zeigt

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