Der Ausgriff Europas nach Übersee
Was sind die Gründe für die Entdeckungsfahrten?
Welche wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen waren dafür gegeben?
- Mit Hilfe des Kompasses,
einer chinesischen Erfindung, die Ende des 12. Jh.s von den
Arabern übernommen worden war, entstanden bald brauchbare
Schiffskarten.
- Weltbeschreibungen (z.B. Geographia von Ptolemäus), welche
immer wieder verbessert wurden bessere Karten und auch
Herstellung von Globen;
- Ständige Verbesserungen der Waffentechnik.
Die Unternehmungen der Portugiesen
Schon in der ersten
Hälfte des 15. Jh.s waren die Portugiesen unter Prinz Heinrich
dem Seefahrer (verstorben 1460) immer weiter die Küste
Afrikas entlanggesegelt. Dort errichteten
sie Handelsstützpunkte und Gesellschaften, die vor allem mit
Gold, Elfenbein und Sklaven bedeutende Gewinne machten. 1486
erreichte Bartholomäus Diaz bereits das Kap der Guten Hoffnung
und zwölf Jahre später landete Vasco da Gama mit Hilfe
arabischer Lotsen im Hafen Kalikut, dem Hauptumschlagplatz des
arabischen Gewürzhandels in Indien.
Binnen weniger Jahrzehnte eroberten die Portugiesen einen
Großteil der ostasiatischen Inselwelt und errichteten
Handelsniederlassungen bis nach China. Nach siegreichen
Seeschlachten gegen die Araber und die Türken, die vergeblich um
ihre alten Handelsmärkte kämpften, kontrollierten die
Portugiesen bis zum Ende des 16. Jh.s den asiatischen
Gewürzhandel. Dann bereiteten die Engländer in Indien und die
Holländer in der ostasiatischen Inselwelt der portugiesischen
Herrschaft ein Ende.
Ersatz dafür fanden die Portugiesen im weiteren
Herrschaftsausbau an der Westküste Afrikas, sowie in Brasilien,
das 1500 durch einen Zufall von Pedro Cabral auf einer Reise nach
Indien entdeckt wurde.
Die spanische Eroberung (=Conquista) Mittel- und Südamerikas
Christoph Kolumbus
(1451-1506) entdeckt Amerika. 1519 drang der spanische Ritter
Hernan Cortez mit einer nur 600 Mann starken, berittenen
Streitmacht in das Reich der Azteken im Hochland von Mexiko vor
der Aztekenkaiser Montezuma wurde gefangen Mexiko
kam als "Vizekönigreich Neuspanien" unter spanische
Herrschaft (1522).
1532 brach der Spanier Francisco Pizarro mit nicht einmal 200
Soldaten in ein anderes "Goldland", in das von den
Inkas beherrschte Peru auf Herrscher Atahualpa wird
gefangen genommen und ermordet Oberschicht der Inkas wird
ausgerottet die Spanier setzten sich an ihre Stelle.
Das Ziel der Spanier war Landgewinn.
Einheimische wurden zur Zwangsarbeit, sowie zum katholischen
Glauben getrieben.
Aktivitäten der Engländer, Franzosen und Holländer
Andere europäische
Seemächte traten erst gegen Ende des 16. Jh.s in den Kampf um
die überseeischen Besitzungen ein. Sie erhoben den Anspruch auf
"Freiheit der Meere". Mit Kaperungen von Schiffen und
Überfällen auf Häfen führten die Engländer vorerst den
europäischen Krieg gegen Spanien auf den Weltmeeren fort. Sie
suchten eine Durchfahrt nach den Gewürzinseln auf der
nördlichen Route. Erst zu Beginn des 17. Jh.s setzten sie sich
in Nordamerika fest.
Um dieselbe Zeit landeten die Franzosen am St. Lorenz-Strom im
heutigen Kanada und errichteten von dort aus ein großes
Kolonialreich.
Im 17. Jh. entdeckten die Niederländer Australien, Neuseeland
und Neuguinea und bauten in der indonesischen Inselwelt ihr
Handelsreich aus, während die Engländer die Portugiesen aus
Indien verdrängen konnten.
Die Folgen der europäischen Expansion
Innerhalb von 250 Jahren
unterwarfen die wenigen europäischen Mächte den größten Teil
der ihnen damals bekannten Erde und leiteten damit jene
"Europäisierung der Welt" ein, die bis heute noch
spürbar ist: in Wissenschaft und (Kriegs-)Technik, Baustil und
Gesellschaftsordnung, Herrschaftsformen und Rechtspraxis! Unter
europäischer Vorherrschaft war die Welt "enger"
geworden eine Weltwirtschaft zum Nutzen der Europäer
bildete sich aus. Einen "Kulturaustausch" gab es in der
Neuzeit nur im landwirtschaftlichen Bereich:
Die Europäer brachten neben Kaffee, Oliven, Orangen, den
Rebstock und Weizen in die "Neue Welt". Aus Amerika
fanden Tabak, Kartoffeln, Mais, Kakao, Tomaten, Erdnüsse und der
Truthahn den Weg nach Europa.
Der
Zerfall der Glaubenseinheit
Luther und die Reformation
Zu Beginn des 16. Jh.s kam
es zu jener religiösen Erneuerungsbewegung, die nachhaltig bis
in unsere Gegenwart wirksam ist Endergebnis war die
Kirchenspaltung (die Reformation).
Hautpanstoß dazu durch den sächsischen Mönch Martin Luther
(1483-1546). Der Auslöser der Reformation war der Ablasshandel
(Nachlass der zeitlichen Sündenstrafen durch Geldspende). Luther
beschäftigte sich fortwährend mit der Interpretation der Bibel
und den (misslichen) Zuständen in der Kirche. Seine Arbeit
fasste er in den berühmt gewordenen 95 Thesen zusammen. Ein Teil
von Luthers Thesen wurden vom päpstlichen Primat als ketzerisch
erkannt und wurde verbannt.
Lehre Luthers: Heilige Schrift einzige Glaubensquelle, Erlösung
nur durch die Gnade Gottes,
Sakramente: nur Taufe und Abendmahl, Ablehnung der
Heiligenverehrung, der Wallfahrten, des Mönchstums, Verwerfung
des päpstlichen Primates, Evangelisches Landeskirchentum;
Luther übersetzte das Neue Testament ins Deutsche.
Luthers Konflikt mit dem Kaiser Die Durchsetzung der neuen Lehre
Kaiser Karl V. verhängte die Reichsacht über Luther, verbot seine Lehre und befahl die Verfolgung seiner Anhänger (Wormser Edikt, 1521). Die außenpolitische Situation erlaubte es dem Kaiser nicht, das Wormser Edikt (Verbot der Lehre Luthers) durchzusetzen. Er benötigte die wirtschaftliche und militärische Hilfe aller deutschen Fürsten und musste je nach Kriegslage den Anhängern der "neuen Religion" gewisse Zugeständnisse machen. So sicherte er beim Reichstag in Speyer (1526) den Reichsständen freie Religionsausübung zu. Kaum aber hatte er mit Frankreich Frieden geschlossen und waren die Türken von Wien wieder abgezogen (1529), bestand er wieder auf strengere Durchführung des Edikts. Dagegen protestierten nun die evangelischen Reichsstädte und Fürsten (daher der Name "Protestanten"). Sie überreichten dem Kaiser auf dem folgenden Augsburger Reichstag im Jahre 1530 ihr eigenes Glaubensbekenntnis, das sogenannte Augsburger Bekenntnis (A.B.). Da Karl V. gestärkt durch seine Erfolge unnachgiebig blieb, schlossen sich die protestantischen Reichsstände zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Damit hatte innerhalb weniger Jahre der Religionskonflikt auch zu einer politischen Spaltung des Reiches geführt. Eine solche Entwicklung wollte der Kaiser um jeden Preis verhindern. Im folgenden Schmalkaldischen Krieg fügte er den Protestanten eine schwere Niederlage zu. Nun verbündeten sich die protestantischen und katholischen Fürsten sogar mit dem König von Frankreich.
Die Reformation als Auslöser des großen Bauernkrieges
Schon in den letzten
Jahrzehnten des 15. Jh.s und auch zu Beginn des 16. Jh.s gab es
in verschiedenen Gebieten des Deutschen Reiches zahlreiche
kleinere Aufstände unzufriedener Bauern (Gründe:
wirtschaftliche Schwierigkeiten durch neue Abgaben und
Missernten, Ausschluss vom politischen Leben, Rechtlosigkeit und
Rechtsunsicherheit durch den Einsatz von landesfürstlicher
Amtsleute, die nach dem neuen römischen Recht urteilten, neue
religiöse Ideen, die ein gerechteres und erfüllteres Leben
erwarten ließen).
Luthers neue Lehre schürte die Unzufriedenheit des Bauernstandes
einmal mehr. Im Frühjahr 1525 fasste der Kürschnergeselle
Sebastian Lotzer im süddeutschen Memmingen für eine Gruppe von
Bauern ein Forderungsprogramm in "12 Artikeln"
zusammen. Wie Luthers Thesen fanden auch die 12 Artikeln im
Deutschen Reich rasche Verbreitung. Doch der Adel war nicht
bereit, die anfangs friedlich vorgetragenen Wünsche der Bauern
anzuerkennen. Im Frühjahr 1525 kam es daher zu zahlreichen
Aufständen, denen sich auch arme Stadtbewohner und Bergleute
anschlossen: In Süddeutschland, in Tirol, Salzburg und der
Steiermark. Kleinere Erhebungen gab es auch in Ober- und
Niederösterreich. Martin Luther, Anstoß und Vorbild für viele
der Aufständischen, wies jede Schuld für die Rebellion von
sich.
Eine Reaktion auf Luther: der Calvanismus
Luthers Zusammengehen mit
den Landesfürsten enttäuschte viele seiner Anhänger. Sie
blickten nach Genf, wo der aus dem katholischen Frankreich
geflüchtete Jean Calvin (1509-1564) seine Reformvorstellungen in
die Wirklichkeit umsetzte. Im Gegensatz zu Luthers Vorstellung
vom gütigen und gnädigen Gott meinte Calvin, dass das Schicksal
jedes Menschen durch Gottes unergründlichen Ratschluss zur
Verdammnis oder ewigen Seligkeit vorherbestimmt ist
(Prädestinationlehre). Nicht jeder Gläubige sei für die ewige
Seligkeit auserwählt. Nur wer ein strebsames und
pflichterfülltes, streng auf Gott ausgerichtetes Leben führe,
könne hoffen, zu den Auserwählten zu gehören.
Calvins Gottesstaat war demokratisch organisiert: Ein Kollegium
aus Geistlichen und Laien- ältesten leitete die Kirchengemeinde,
die auch Pastoren und Prediger wählte Überwachung der
Menschen mit aller Strenge;
Im Gegensatz zu Luther verpflichtete Calvin seine Anhänger nicht
zu unbedingten Gehorsam gegenüber der weltlichen Obrigkeit,
sondern forderte sogar aktiven Widerstand, falls die Staatsgewalt
die Gebote Gottes missachten und damit die Gläubigen in
Gewissenszwang bringen sollte.
Besondere Verbreitung fand der Calvanismus in Frankreich, den
Niederlanden, Polen, Ungarn, Schottland und England. Ein
Jahrhundert später kam calvinistisches Gedankengut auch nach
Nordamerika, wo es noch bis heute spürbar ist.
Was bedeutet der Begriff "Gegenreformation"
Das Konzil von Trient (1545-1563) bringt ein neues Glaubensbekenntnis. Eine Reihe von Verordnungen sollte die alten Missstände ausrotten. Es wurden verboten:
Es wurden Priesterseminare in jeder Kirchenprovinz geschaffen. Auch die Orden wurden in die Reform einbezogen.
Höhepunkt der konfessionellen Konflikte: Der Dreißigjährige Krieg
1618 Ausbruch des
30-jährigen Krieges; Immer wieder Verletzungen und
unterschiedliche Auslegungen des Augsburger Religionsfriedens;
Majestätsbrief (Religionsfreiheit) wurde bald zum Streitobjekt
und führte zu Unruhen. Als eine Beschwerde von böhmischen
Protestanten wegen der Schließung zweier Kirchen vom Kaiser
zurückgewiesen wurden, drangen böhmische Adelige in die Prager
Burg ein und warfen drei habsburgische Beamte zum Fenster hinaus
(Prager Fenstersturz). Böhmische Adelige erklärten den
Habsburger Ferdinand II. für abgesetzt und wählten den
Protestanten Friedrich von der Pfalz zu ihrem König.
Ferdinand erhielt Unterstützung von der Liga, vom Papst und von
Spanien. 1620 entscheidender Sieg der Liga vor den Toren Prags in
der Schlacht am Weißen Berg.
Die Kosten der Kriegsführung in Böhmen hatte Maximilian von
Bayern übernommen. Dafür musste Ferdinand das Land
Oberösterreich als Pfand zur Verfügung stellen. Das bedeutete
für die Bauern erhöhte Abgaben. Als in Frankenburg ein
katholischer Pfarrer gewaltsam eingesetzt wurde, belagerten 5000
Bauern das Schloss (1626 Bauernkrieg in Oberösterreich). Nach
dem Krieg in Böhmen setzten sich die Kriegshandlungen bald in
anderen Teilen des Deutschen Reiches fort. Auch fremde Mächte
wie die Dänen marschierten, von Holland und England
unterstützt, für die Protestanten in den Kampf. 1630 landeten
schwedische Truppen in Norddeutschland. 1629 hielten Truppen der
Liga ganz Norddeutschland besetzt.
Das katholische Frankreich war auf protestantischer Seite und war
an einer dauernden Machtverminderung des Hauses Habsburg
interessiert.
Frankreich entschied sich, offen an der Seite Schwedens in den
Krieg einzutreten. Nach furchtbaren Verwüstungen und jahrelangen
Verhandlungen ging dieser grausame Krieg 1648 zu Ende
(Westfälischer Frieden).
Basisdaten
1492 Entdeckung Amerikas;
1517 Thesenanschlag zu Wittenberg
copyright by Andreas R.
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