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Leutnant
Gustl - Novelle 1901:
Autor: Arthur Schnitzler (1862-1931)
Entstehungszeit: 1901
Textsorte: Erzählung/Novelle (ist der umfassende Begriff für epische Kurzformen). Der Begriff wird gebraucht, wenn von verschiedenen Kurzformen gleichzeitig die Rede ist oder wenn keiner der übrigen Begriffe (Novelle, Märchen) anwendbar ist.
Literarische Richtung: Gegenströmungen zum Naturalismus (1890-1920)
Sprachliche u. stilistische Merkmale: Schnitzler verwendet hier zum erstenmal den "inneren Monolog": Gedanken und Gefühle des erlebenden Ichs werden sprachlich so wiedergegeben wie sie im Bewusstseinsstrom auftauchen. Das Verb steht im Präsens. Der innere Monolog ermöglicht Schnitzler die vertiefte Darstellung der menschlichen Psyche.
Biographie:
15.5.1862 in Wien als Sohn eines angesehen Arztes geboren
1885 1893 Assistenzarzt in verschiedenen Wiener Krankenhäusern
1890 Bildung des Literaturzirkels "Junges Wien" mit H. v. Hofmannsthal
1901 Absprechung des Reserveoffiziersrangs wegen des Werkes "Leutnant Gustl", in dem er den Ehrenkodex der öster.-ungar. Armee angreift
21.10.1931 Tod in Wien
weitere Werke:
Liebelei, Der Weg ins Freie, Traumnovelle, Fräulein
Else, Therese
Inhalt:
Leutnant Gustl hat von einem Freund Karten für ein Konzert bekommen. Nun sitzt er in einem Wiener Konzertsaal und langweilt sich. Anstatt sich auf das schöne Oratorium zu konzentrieren, wirft er lieber wildfremden Mädchen Blicke zu und denkt an alles mögliche, nur nicht an die Musik. Als das Konzert endlich aus ist, drängt er sich zur Garderobe wo es durch das Drängen und Stoßen des jungen Offiziers zu einer Auseinandersetzung mit einem Bäckermeister, den Gustl aus seinem Stammcafé kennt, kommt. Der junge Gustl kann seinen Säbel nicht ziehen, da der wesentlich stärkere Bäckermeister seine Waffe in der Scheide hält und dem junge Offizier droht das Schwert zu zerbrechen, wenn er nicht Ruhe gibt. Doch damit nicht genug er nennt ihn auch noch einen "dummen Bub". Als Gustl ganz verwirrt vor dem Konzerthaus steht und die vorangegangenen Ereignisse analysiert überkommt es ihn plötzlich: Er wurde in seiner Ehre beleidigt! Deshalb beschließt er sich umzubringen. Er spaziert ziellos herum und denkt nach, was er tun könnte damit er nicht Selbstmord begehen muss. Gustl überlegt sogar nach Amerika auszuwandern. Er kommt in den Prater und erkennt, dass es keinen anderen Ausweg aus dieser verzwickten Lage gibt, außer dass er sich umbringt. Er setzt sich auf eine Bank und schläft ein.
Als er am nächsten Morgen erwacht spaziert
er wieder zurück in die Stadt. Er kommt zum Nordbahnhof, wo er
einen Freund vom Militär trifft, der gerade mit einer Kompanie
zum Schießplatz marschiert. Gustl denkt über seine letzten Tage
und Wochen nach, über seine Familie (ob sie sich wohl kränken
werden; über seine Schwester Klara die keinen Mann bekommt)
über seine Freunde, über seine heimliche Geliebte namens Steffi
und über das, was er hätte machen können, um diese ausweglose
Situation zu verhindern. Als er an einer Kirche vorbeikommt macht
er einen kurzen Abstecher hinein. Dann nimmt er Kurs auf sein
Stammcafé um noch einmal zu frühstücken. Dort angelangt
erfährt er vom Ober Rudolf, dass vergangene Nacht den
Bäckermeister der Schlag getroffen hat und gestorben sei. Gustl
kann es gar nicht fassen und ist überglücklich. Der junge
Offizier muss sich nicht umbringen.
Problematik:
Der in seiner Ehre verletzte Offizier wird durch den Ehrenkodex des k. u. k. Offizierskorps dazu verpflichtet durch ein Duell seine Ehre wiederherzustellen. Doch Gustl konnte sich nicht mit dem Bäckermeister duellieren, da dieser ja den Säbel des jungen Offiziers hielt. Ein späteres Duell verbietet der Kodex und so war Gustl für alle Zeit gebrandmarkt. Wenn seine Vorgesetzten von diesem peinlichen Zwischenfall erfahren hätten, wäre aus dem Militärdienst entlassen worden und für eine andere Arbeit außer diese soll Gustl, wie er selber sagt, "zu dumm" sein. Er steigert sich auch immer mehr in die Sache hinein und verstrickt sich in Widersprüchen. Auch zeigt Arthur Schnitzler (der ja Jude war) in der Person der Leutnant stark den Antisemitismus der zu jener Zeit (um die Jahrhundertwende) in Wien, einem Schmelztiegel der Kulturen dieses großen Kaiserreiches Österreich, geherrscht haben muss.