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Jugend
ohne Gott - Fragen (Ödön von Horvath)
Welche
Erziehungsaufgabe hat die Schule im Faschismus zu erfüllen?
Wie reagieren der Direktor und der Lehrer darauf?
Im Faschismus hat die Schule die Aufgabe, die Jugend moralisch zum Krieg zu erziehen und alles von ihr fernzuhalten, was in irgendeiner Weise die zukünftigen militärischen Fähigkeiten beeinträchtigen könnte. Die Lehrer müssen sich an strenge pädagogische Regeln halten, um die Jugend nicht zu kritischem Denken anzuregen. Blinder Gehorsam und Ausführen von Befehlen ist der Jugend beizubringen. Durch Sport sollen kerngesunde Körper herangezüchtet werden. In den Zeltlagern wird versucht, den Individualismus der Jugend abzubauen und sie zu künftigen "Kampfmaschinen" auszubilden. Deutlich wird dies in der Aussage des Lehrers: "Sie wollen Maschinen sein, Schrauben, Räder, Kolben Riemen. Doch noch lieber wären sie Munition, Bomben, Granaten. Wie gerne würden sie krepieren auf irgendeinem Feld. Der Name auf einem Kriegsdenkmal ist der Traum ihrer Pubertät."
Der Lehrer distanziert sich von dieser Gesellschaft, ist sich aber im Klaren, dass er mittendrin lebt und nichts verändern kann. Er muss sich dauernd zurückhalten und darf seine Meinung nicht aussprechen. Der Direktor dachte früher ähnlich, doch mit der Zeit hat ihn die nationalsozialistische Bewegung gezähmt. Er sagt zum Lehrer, dass er sich dem Zeitgeist, der Ideologie, widersetzen könnte, jedoch mit der Konsequenz, dass er sofort eingesperrt würde. Er möchte die Altersgrenze erreichen, um die volle Pension beziehen zu können.
Der Lehrer findet ihn deshalb feige und charakterlos.
Wie kann der
Lehrer charakterisiert werden? Warum bekommt er Schwierigkeiten?
Für welche Werte tritt er ein? Wodurch wird er schuldig? Welche
religiöse Einstellung hat er?
Der Lehrer ist alleinstehend und 34 Jahre alt. Er ist in gewisser Weise ein Außenseiter, da er sich dieser aus Vorurteilen bestehenden Gesellschaft mit seinem Denken nicht anschließt. Er vertritt jedoch seine Einstellung nicht in der Öffentlichkeit und ordnet sich unter, da er weiß, dass dies Folgen für ihn haben kann.
Als der Lehrer die korrigierten Schulaufsätze zum Thema "Warum müssen wir Kolonien haben?" an die Schüler zurückgibt, bekommt er durch seine Aussage, auch ein Neger sei ein Mensch, mit den Eltern des Schülers N Schwierigkeiten. Weiters wird dem Lehrer ein von allen Schülern unterzeichneter Brief überreicht, der die Forderung nach einem neuen Lehrer beinhaltet.
Der Lehrer tritt für Toleranz, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Fairness ein.
Dadurch, dass der Lehrer heimlich und gewaltsam das abgesperrte Kästchen des Schülers Z öffnet, sein Tagebuch liest und vorerst aus Feigheit seine Tat verschweigt, macht er sich am Tod des Schülers N mitschuldig.
Der Lehrer glaubt immer an Gott, auch in der Zeit seiner "Abwendung von Gott". Er macht aber einen Wandel durch und ändert seine Vorstellung von Gott und seinem Gottesbegriff.
Wie wird die Jugend dieser Zeit charakterisiert? Warum haben die Schüler keine Eigennamen?
Die Jugend wird als
willensschwach, charakter- und gedankenlos sowie ohne
Nächstenliebe charakterisiert. Auch das selbständige Denken
fehlt. Außerdem kann die Jugend mit dem Begriff
"Liebe" nichts anfangen, denn sie bekam ja nie Liebe
und kann deshalb auch nicht wissen, was Liebe wirklich bedeutet.
Man kann aber der Jugend keine Vorwürfe machen, dass sie so ist,
denn zu dieser Zeit ist es ja verboten, der Jugend etwas
beizubringen, das gegen die Ideologie des Nationalsozialismus
verstößt.
Die Schüler wurden im Roman nur mit Buchstaben benannt. Ich
glaube, dadurch soll verstärkt zum Ausdruck kommen, dass die
Schüler keine eigene Individualität besitzen.
Im Zeltlager wird die Jugend "spielerisch" mit Sport,
Fahnenappellen und Geländemärschen auf Gehorsam und Abhärtung
hingedrillt. Kälte, Härte, Gefühllosigkeit, Stärke und
Gottlosigkeit sind die Werte der Jugend.
Was bedeutet die Formulierung "Zeitalter der Fische"?
Ein Fisch ist kalt, liegt starr und regungslos im Wasser und beobachtet alles ruhig. "Zeitalter der Fische" könnte bedeuten, dass sich der Großteil der Bevölkerung starr und regungslos gegenüber dem Regime verhält, aus Angst vor den Folgen keinen Widerstand leistet und die Machenschaften und Manipulationen hinnimmt.
Warum ermordet T den Schüler N? Was bedeuten die Fischaugen von T?
T ist sehr wissbegierig und
neugierig. Er beobachtet alles sehr genau. In einem Gespräch
gesteht T dem B, dass er einmal einen Sterbenden und eine Geburt
sehen will. Deshalb erschlägt T den Schüler N mit einem Stein.
Ich denke ein weiterer Grund seines Tötens liegt aber auch in
der fehlenden Zuneigung seiner Eltern ihm gegenüber.
Die Fischaugen spiegeln die Kälte, Gefühllosigkeit und Leere in
seinem Inneren wider.
Warum wird Eva Anführerin und wie verhält sie sich beim Prozess?
Da Eva das älteste der Kinder
ist, wird sie zur Anführerin der Bande.
Zuerst nimmt der Schüler Z die Schuld des Mordes auf sich. Weil
er Eva liebt, will er sie schützen, denn er glaubt, sie habe die
Tat begangen. Erst als der Lehrer gesteht, dass er das Kästchen
geöffnet hat, fällt der Mordverdacht auf Eva. Eva entlastet Z,
indem sie von einem dritten Anwesenden, einem fremden Buben mit
Fischaugen, in der Mordnacht berichtet. Weiters bekennt sie
öffentlich, Z nie geliebt zu haben. Z ist dadurch sehr verletzt
und wendet sich von ihr ab. Evas Gerichtsverhandlung wird in drei
Monaten stattfinden.
Welche Schüler lehnen sich gegen den faschistischen Zeitgeist auf?
Schüler Z und Schüler B (= Robert). Sie gründen einen Klub und lesen zu Hause bei B verbotene Bücher und Zeitschriften. Später treten dem Klub noch ein Bäckerlehrling und ein Laufbursch bei. Der Klub unterstützt den Lehrer bei der Aufklärung des Mordes. Die Kinder beschatten T Tag und Nacht und berichten dem Lehrer schriftlich darüber.
Welche Rolle spielt Gott, die Religion in diesem Roman?
Gott wird in diesem Roman sehr oft
genannt. Der Lehrer ist sich oft selbst nicht im Klaren, ob er an
Gott glaubt oder nicht. In manchen Situationen glaubt er, Gott
plötzlich vor sich zu sehen (z.B. erscheint ihm Gott als kleiner
Bube im Lager, der die Wahrheit kennt).
Der Lehrer glaubt an Gott, aber er mag ihn nicht, weil er das
ganze Elend zulässt.
In den Gesprächen mit dem Lehrer redet der Pfarrer von einem
"strafenden" Gott, den der Lehrer aber ungerecht und
nicht gut findet. Der Lehrer will nicht an Gott glauben und
möchte Gott "einen Strich durch die Rechnung" machen.
Schließlich findet der Lehrer zu seinem Gott, als er beim
Prozess die Wahrheit gesteht. Er hat keine Furcht mehr vor Gott.
Der Lehrer sieht in den Augen Evas Gott und er wird an seine
eigene Kindheit erinnert.
Wer ist "Julius Cäsar", wie verhält er sich dem Regime gegenüber?
Julius Cäsar ist ein ehemaliger
Lehrer eines Mädchengymnasiums, der eine Weile im Gefängnis
gewesen war, weil er sich mit einer minderjährigen Schülerin
eingelassen hat. Er ist ca. 60 Jahre alt und um sich seinen
Lebensunterhalt zu finanzieren, zieht er von Haus zu Haus und
verkauft Scherzartikel. In einer Bar begegnen sich der Lehrer und
Julius Cäsar, die sich schon von früher her kennen. Der Lehrer
erzählt Julius Cäsar vom Mordfall. Julius Cäsar will mit Hilfe
einer Prostituierten den Schüler T in eine Falle locken und so
dem Lehrer bei der Aufklärung des Mordes helfen.
Julius Cäsar ist dem Regime gegenüber kritisch eingestellt,
versucht, seinen eigenen Vorteil daraus zu ziehen und betreibt
seine Machenschaften heimlich im
"Prostituierten-Milieu".
Wie können Sprache und Form des Romans beschrieben werden?
Der Roman "Jugend ohne Gott" gehört zur Dichtungsgattung der Epik. Er ist in Prosa geschrieben, in viele kurze Kapitel gegliedert und erzählt in der ICH-Form aus der Perspektive des Lehrers. Die Erzählzeit erstreckt sich ca. auf ein Jahr und der Roman ist chronologisch gegliedert. Zeitlich eingeordnet werden kann der Roman in die Zwischenkriegszeit. Ein beträchtlicher Teil spielt in einem Jugendlager. Das Werk ist in der Umgangssprache geschrieben, hat einen einfachen Satzbau und enthält sehr viele innere Monologe. Weiters werden auch viele Metaphern verwendet, z.B. "die Lüge tanzt mit der Gerechtigkeit nur die Vernunft tanzt nicht mit".
copyright by Claudia S.