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Das Parfum - Jean-Baptiste de Grenouille:


 

Jean-Baptiste de Grenouille kommt 1738 auf dem Fischmarkt in Paris zur Welt. Wie schon bei 4 Kindern zuvor nabelt ihn die Mutter ab und legt das Kind, das sie für eine weitere Totgeburt hält, zu den Fischabfällen. Doch Grenouille entpuppt sich als erstaunlich lebenskräftig und bringt mit einem kräftigen Schrei seine Mutter aufs Schafott wo sie hingerichtet wird. Der neugeborene Junge hat sich für sein Leben und gegen das der Mutter entschieden; durch seinen Trotz muss sie sterben. Das Waisenbaby wird von Ammen gestillt, jedoch will es keine lange behalten, weil es zu gierig sei, sie „aussauge“ und ihnen unheimlich sei weil es nach nichts rieche. Pater Terrier, der Jean-Baptiste den Ammen anvertraut hatte, behandelt ihn anfangs wie seinen eigenen Sohn, doch merkt auch er bald, dass mit dem Jungen etwas nicht stimmt. Er fühlt sich durch das Kleinkind beunruhigt und es scheint ihm, als wolle es ihn „ausriechen“. Er kommt sich dabei nackt und beschämt vor und bezeichnet es als „feindseliges Animal“. Dem Pater ist Grenouille ungeheuer und er gibt ihn in die Obhut des wahrscheinlich einzigen Menschen, bei dem dieses sonderbare Kind eine Überlebenschance hat. Bei einer Amme, der jedes menschliche Empfinden fremd ist, die keinen Geruchssinn hat und keines ihrer Pflegekinder bevorzugt oder benachteiligt. Für sie ist Grenouille gleich wie jedes andere Kind und in ihrem Haus wächst er zu einem Jungen heran, der als äußerst hässlich und missraten beschrieben wird, jedoch äußerst zäh, robust und genügsam ist. Empfindungen wie Hunger oder Schmerzen scheint er nicht zu kennen, und durch seine besondere Art ist er den anderen Kindern unheimlich, sie fürchten sich vor Grenouille und wollen ihn sogar töten. Er überlebt jedoch alle Mordanschläge und Krankheiten, an denen ein normaler Junge zu Grunde gehen würde (Masern, Ruhr, Windpocken, Cholera…). Er ist durch nichts unterzukriegen und kennt keine Furcht, wie etwa nachts in den Keller zu gehen. Obwohl er sein ganzes Leben lang weder Liebe noch Zuneigung oder Zärtlichkeit erfährt, sucht er diese auch nicht und entwickelt sich zu einem introvertierten Außenseiter, der keine menschliche Nähe braucht und nicht am alltäglichen Leben seiner Umwelt teilnimmt, sondern isoliert in seiner eigenen Welt lebt, in der der Gerüche. Bereits seit seiner Geburt hat er einen extrem ausgeprägten Geruchssinn. Er kann tausende Gerüche unterscheiden, sie sich namentlich merken und sich auch nach Monaten und Jahren noch an sie erinnern.

Er ist in der Lage, Düfte aus seiner Erinnerung miteinander zu vermischen und daraus neue zu kreieren. Wohlriechend oder stinkend macht für ihn keinen Unterschied – er will alles riechen und sich allem bemächtigen was irgendwie duftet. Paris, die an Gerüchen reichste Stadt der damaligen Welt beeindruckt ihn deswegen sehr und er beschäftigt sich in seiner Freizeit nur damit, seine Umgebung olfaktorisch zu erfassen. Wie wichtig ihm die Düfte sind, merkt man daran dass die ersten Worte, die er sprach, die Namen von Dingen waren, die seine Nase sehr reizten und die ihn dadurch sehr beschäftigten (Pelargonie, Ziegenstall). Dinge, die nicht riechen, sind für ihn uninteressant und er merkt sich ihre Namen nur sehr schwer. Wie fein seine Nase ist, erkennt man daran, dass er das Eintreffen von Menschen bereits Minuten vorher an Hand ihres nahenden Geruchs ankündigt, oder dass er das versteckte Geld der suchenden Madame Gillard findet, ohne es gesehen oder gesucht zu haben. Er erschnuppert es hinter Brettern mit Hilfe seiner feinen Nase. Weil er ihr sowieso etwas suspekt erscheint, verkauft ihn Madame Gillard an einen Gerber, als die Unterhaltszahlungen des Klosters nicht mehr eintrafen. Beim Gerber Grimal, der in Grenouille anfangs nur eine billige und minderwertige Hilfskraft sieht, entwickelt sich die zentrale Figur der Geschichte durch harte Arbeit, Genügsamkeit und das Überleben des Milzbrands, was ihm niemand zugetraut hätte, wovon er aber sein Leben lang durch Narben und Prusteln entstellt bleiben wird, zu einer unersetzbaren Arbeitskraft, erhält ein besseres Nachtlager und regelmäßigen Ausgang. In seiner arbeitsfreien Zeit erkundet er Paris, kann sich sogar mit geschlossenen Augen zurechtfinden, da er seinen „olfaktorischen Stadtplan“ im Kopf hat. Weil er gleich zu Beginn die Gefahr durch den harten Gerbermeister wittert, verhält er sich bei Grimal wie ein Zeck, zieht sich zusammen, eingekapselt und jahrelang auf die eine Gelegenheit wartend, sich von seinem Ast fallen zu lassen, sich an einem vorbeilaufenden Lebewesen festzubeißen und von dessen Blut als Parasit zu leben. In seiner Zeit als Gerberlehrling begeht Grenouille seinen ersten Mord, er folgt der Fahne eines dünnen aber herrlichen Dufts bis in einen Hinterhof, wo er ein Mädchen tötet, das in seinen Augen den perfekten Duft in sich trägt. Er saugt den Geruch des jungen Opfers ein und speichert ihn auf ewig in seinem Gedächtnis. Er tut dies nicht aus Bosheit oder aus einer bösen Absicht gegen das Mädchen heraus, er will lediglich das besitzen, was für ihn am Wertvollsten ist, ihren Duft. Er spürt nach seiner Tat an Stelle von Reue oder Schuldgefühlen tiefste Genugtuung, er scheint keine Seele zu haben, da er in einem Menschenleben nichts Besonderes sieht, ihm moralische Werte fehlen und für ihn einzig und allein die Welt der Düfte zählt. Wörter wie Freude, Gewissen, Gott, Dankbarkeit, Reue und Skrupel haben für ihn keinerlei Bedeutung.


Bis jetzt hatte Grenouille nur das Ziel, alle Gerüche der Welt zu sammeln, doch nach dem Mord hat er ein neues Ziel vor Augen, er will die Welt der Düfte revolutionieren und der beste Parfumeur aller Zeiten werden. Er hatte auf seinen Erkundungstouren durch Paris bereits die Parfümerien ausgemacht und will dort nun unbedingt Arbeit finden. Da kommt es ihm gerade Recht, dass er für Grimal Lederhäute zum bedeutendsten Parfumeur in Paris, Giuseppe Baldini, bringen soll. Er erkennt den Augenblick, sich von seinem Ast zu stürzen und sich ein Tier zu suchen, von dem er sich ernähren kann. Obwohl Baldini sein Geschäft zu schließen plant, drängt Grenouille darauf, das Parfum eines anderen kopieren zu dürfen. Der Parfumeur willigt schließlich ein, weil er dem Jungen eine Lektion erteilen will, und er dies für unmöglich hält. Umso erstaunter ist er, als der ungelernte Gerberlehrling Grenouille es tatsächlich schafft, ohne die üblichen Hilfsmittel und ohne die Formel, sondern allein mit seiner feinen Nase, den Duft „Amor und Psyche“ von Pellisier exakt zu kopieren. Und weil der alte Parfumeur weiß, welche Goldquelle er in dem Jungen gefunden hat, lässt er ihn für sich arbeiten. Der Lehrling Grenouille bringt durch seine einmalige Begabung und Fleiß das Geschäft Baldinis wieder zu Ruhm und Glanz. Auch wenn dieser Grenouilles Werke als seine eigenen verkauft, ist dies dem wirklichen Erfinder dieser Düfte egal. Er nutzt seine Lehrstelle aus um mit dem Handwerk des Parfumeurs vertraut zu werden. In seinen Augen sind es nur geruchliche Spielereien, die aber trotzdem in Paris für Furore sorgen. Ihm geht es darum, bei einem der besten Parfumeure der Welt Essenzen zu mischen, Parfums zu produzieren, Puder herzustellen. Er ist sehr wissensdurstig und lässt sich von Baldini in allem unterweisen. Er erlernt den Prozess des Destillierens - und ist betroffen, als er merkt, dass er dadurch doch nicht die Gerüche aus allen Dingen herstellen kann. Weil er mit diesem Verfahren allein all die genialen Düfte, die in seinem Kopf bereits existieren, nicht kreieren kann, wird er schwer krank und als die Situation hoffnungslos scheint, sogar der beste Arzt von Paris ihm keine Überlebenschance mehr gibt und Baldini neben seinem sterbenden „Goldesel“ Wache hält, geschieht das Wunder: Der Todkranke erfährt, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, Düfte zu extrahieren. Sofort setzt bei Grenouille der Heilungsprozess ein und nach wenigen Tagen ist er wieder gesund und munter. Es zieht in fort nach Grass, wo er lernen will, wie man mit anderen Verfahren zu den Düften seiner Vorstellung kommen kann als mit der Destillation. Baldini lässt ihn ziehen, denn durch die gesammelten Formeln von Grenouilles bisherigen Kreationen war er bis an sein Lebensende gut versorgt und geheuer war ihm der Bursche sowieso nie.


Ich finde, Grenouille ist ein bedauernswertes, aber geniales Scheusal, weil er eine einmalige Gabe hat und so viel aus seinem Talent machen könnte, wenn er nur ein gutes Herz und mehr Menschlichkeit besäße. Er nutzt aber alle Menschen eiskalt aus, ist nur auf seinen persönlichen Vorteil bedacht und bringt allen, mit denen er zu tun hat, Unglück und Leid (die Mutter stirbt durch seinen Lebenswillen, Grimal und Baldini sterben bald nach dem Weggang Grenouilles). Bedauernswert ist er, weil er keine Liebe, keinen Hass und auch sonst keine moralischen und ethnischen Werte kennt und keinerlei menschliche Charaktereigenschaften aufweist.


 copyright by Michael Tschöll

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