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Der Gott der Stadt:

Georg Heym


Auf einem Häuserblocke sitzt er breit.
Die Winde lagern schwarz um seine Stirn.
Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit
Die letzten Häuser in das Land verirrn.

Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal,
Die großen Städte knien um ihn her.
Der Kirchenglocken ungeheure Zahl
Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.

Wie Korybanten-Tanz dröhnt die Musik
Der Millionen durch die Straßen laut.
Der Schlote Rauch, sie Wolken der Fabrik
Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.

Das Wetter schwelt in seinen Augenbrauen.
Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt.
Die Stürme flattern, die wie Geier schauen
Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.

Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust.
Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt
Durch eine Straße. Und der Glutqualm braust
Und frisst sie auf, bis spät der Morgen tagt.


Geht es in diesem Gedicht um Baal oder Moloch?

Es geht um das Wesen der Stadt, nicht um Gott. Baal ist Gott der Vernunft.

Wo befindet sich die Gottheit?

hoch über der Stadt.

Wie ist die Stimmung des Gottes, welche Gründe gibt es dafür, dass er dauernd nur vernichtet?

düster, wütend, böse bis zur Vernichtung.

Grund: schrecklicher Materialismus, nichts Menschliches.

Wie stellt Heym die Menschen dar?

Tanzen, ununterbrochen alles in Bewegung. Nur die Masse=Millionen

Welche Stimmung löst die Nennung von Tageszeiten aus?

Abend: Weltuntergang

Morgen: Wiederanfang, Neuschöpfung

Heym ist bekannt dafür, dass er die Handlung seiner Gedichte in Bewegung auflöst. Weisen sie das nach!

Die Menschen tanzen ums Geld und sind immer in Bewegung.

Welche Funktionen haben die Farben, die gar nicht der Realität entsprechen? Welche Empfindungen lösen sie aus?

roter Bauch: Industrie, Schlote, künstliche Feuer

Schwarz: düster, Weltenbrand, Dämon

blau/grau: göttlicher Weihrauch

Unbehagen, Schreckliches, Apokalypse, Weltuntergangsstimmung.

 

Das im Jahre 1910 verfasste Gedicht ,,Der Gott der Stadt" von Georg Heym thematisiert eine Art negativ eingestellte Theologie, indem ein mächtiger, aber auch zornig und wütender Gott namens Baal, mit einer gewaltigen Feuerglut eine ganze Großstadt vernichtet.

Das Gedicht beschreibt "ihn", der auf einem Häuserblock sitzend versucht einen Überblick über das Chaos von knienden großen Städten, Häusern, dröhnender Musik, schwarzem Türme Meer und Millionen zu finden. Die Beschreibung: "Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik..."zeigt eine ablehnende Haltung gegenüber der Zivilisation und Industrialisierung. Es wird in den ersten drei Strophen eine zunehmend negative Stimmung aufgebaut, die sich in der vierten Strophe im Ausbruch von Revolution oder Krieg entlädt: " Stürme flattern...im Zorne sträubt...Fleischerfaust...Meer von Feuer...Glutqualm braust...". Die Chiffre "der Gott der Stadt" lässt sich nur schwer entschlüsseln; es könnte der sich andeutende Krieg bzw. das herannahende Unglück sein, das sich in apokalyptischen Szenen widerspiegelt. Auch die zunehmende Unzufriedenheit des Proletariats mit der Revolution als Folge ist denkbar. Der Gott lässt sich mit einem Monarchen vergleichen, welcher in den Augen des Volkes mangelhaft regiert und mit seiner "Fleischerfaust" den Willen der Bürger zerstört, d.h. ihnen wird keine demokratische Meinung zugestanden, sie werden gesteuert.

In den fünf vierzeiligen Strophen wird das Reimschema abab verwendet. Ganz besonders auffällig ist die häufig gebrauchte Farbsymbolik, wie diese Beispiele zeigen: "Winde lagern schwarz..., der rote Bauch..., schwarzer Türme Meer..., Weihrauch blaut...". Die metaphorischen Chiffren und Wortkombinationen: "Bauch dem Baal, Städte knien, Weihrauch blaut, Stürme flattern, Fleischerfaust, Meer von Feuer,..." sind typisch für die expressionistische Lyrik. Die steigernde Aneinanderreihung(Klimax) der extrem kurzen Sätze findet ihren Höhepunkt der Intensität in der Zerstörung einer Großstadt.

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