Home Literatur Epochen Deutsch - Referate Erörterungen Gedichte Biografien Biologie und Chemie Geschichte - Referate Geografie - Referate Dienstprüfung - B-Prüfung Gästebuch Forum Links und Chat


Der Schüler Gerber von Friedrich Torberg:

Biografie:

Friedrich Torberg war ein 1908 in Wien geborener Jude. Er studierte in Prag und Wien und schrieb Romane und Theaterkritiken.
Mit dem 1930 erschienenen Roman ,,Der Schüler Gerber hat absolviert" (ursprünglicher Titel) erzielte Torberg seinen ersten entscheidenden Erfolg als Schriftsteller.

Torberg emigrierte 1938 in die Schweiz und 1940 schließlich nach Amerika.

1951 kehrte er zurück nach Wien, wo er für die österreichische Literatur bedeutungsvoll wurde.
Die Neufassung des Romans mit dem Titel ,,Der Schüler Gerber" erschien 1954.
Neben vielen Romanen machte sich Torberg einen Namen als Theaterkritiker und Übersetzer (Torberg übersetzt Ephraim Kishons Werke).
Außerdem gab er bis 1965 die kulturpolitische Zeitschrift ,,Forum" heraus.
1979 starb Torberg in Wien.







Weitere Romane:

,,Die Mannschaft“ (1935)
,,Abschied“ (1937
,,Mein ist die Rache“ (1943)
,,Hier bin ich, mein Vater“ (1948)
,,Die zweite Begegnung“ (1950)
,,Das fünfte Rad am Thespiskarren“ (1966)
,,Golems Wiederkehr“ (1968)
,,Süßkind von Trimberg“ (1972)


Inhalt:


Kurt Gerber ist ein intelligenter, aber fauler Schüler. Er besucht die 8. Klasse. Als die ganze Klasse vor der ersten Stunde auf den Lehrer wartet, erfahren sie, dass Arthur Kupfer ihr neuer Klassenvorstand sein werde. Arthur Kupfer, bei den Schülern wegen seiner Strenge auch „Gott Kupfer“ genannt, ist einer der gefürchtetsten Professoren für Mathematik und DG. Außerdem bemerkt Kurt, dass seine langjährige Freundin Lisa Berwald, die von Kurt geliebt wird, die Schule verlassen hat. Da betritt Kupfer die Klasse.

Zitat (1)


Kurt gerät sofort in eine Konfrontation mit Gott Kupfer und er denkt an die Sommerferien, wo dieser Mann zu Kurts Vater gesagt hat, dass er mit Kurt auch noch fertig werden würde. Mit diesen Eindrücken kommt er nach Hause. Sein Vater rät ihm, dass er die Schule wechseln solle. Kurt lehnt diesen Vorschlag mit dem Argument, dass er sich von einem Professor nicht unterkriegen lasse, ab.
Einige Tage später kommt Lisa in die Schule. Sie bemerkt Kurt nur am Rande, und als sie geht, folgt ihr Kurt. Er sagte, dass ihm schlecht sei und dass er hinausgehen wolle. Lisa arbeitet in einem Kunstatelier. Mit dieser Erkenntnis macht sich Kurt auf den Rückweg zur Schule, wo er Kupfer über den Weg läuft und ihm somit wieder einen Angriffspunkt gegeben hat. Als er Lisa gefolgt ist, verletzte er sich am Knie und er bekommt eine Blutvergiftung. So kann er nicht zur Schule gehen. Da kommt ihn sein Freund Weinberg besuchen. Dieser rät Kurt am nächsten Tag in die Schule zu kommen, da er bei Kupfer noch unbeurteilt sei. Als Kurt am nächsten Tag fast ganz unvorbereitet erschien, konnte er keines der 4 Beispiele lösen. Außerdem wurde er noch beim Schummeln erwischt. Wenige Tage später bekommt Kurt sein Zeugnis: Nichtgenügend in DG und in Mathe und eine Rüge in Latein.
Kurze Zeit später beginnt ein Streit zwischen Kurt und Schönthal, einem Streber, da dieser behauptet, dass Kurt sowieso durchfällt. In der Stunde darauf wird Kurt von Kupfer wieder auf Nichtgenügend geprüft.
In den Winterferien fährt Kurt mit Lisa und ihren Freunden auf eine Schitour. Lisa und Kurt kommen sich zum ersten Mal näher. Kurt muss aber früher nach Hause, da ihn sein Vater mit einem Brief dazu aufgefordert hat.
In der Schule reden alle Lehrer Kurt gut zu, und er nimmt Nachhilfe bei seinen Klassenkameraden. Langsam stellt sich auch der Erfolg ein. Mit diesem verliert Kurt aber seine Freunde: Die schlechteren stoßen ihn ab und die Guten wollen ihn noch nicht annehmen. Plötzlich stirbt sein Freund Benda. Auch Lisa weist ihn zurück. Als keiner um Benda trauert, wird Kurt sehr nachdenklich. Da erhält er wieder ein Zeugnis. Die Noten sind dem ersten gleich. Sein Vater hat einen Schlaganfall, deshalb will ihm Kurt nicht gleich vom Zeugnis erzählen, doch mit der Zeit kann er dieses Geheimnis nicht zurückhalten. Sein Vater war in der Schule und hat bemerkt, dass er Unterschriften gefälscht hat. Kurt denkt immer öfter über das Leben nach und findet in Lewy einen neuen Freund. Sie schwänzen oft die Schule. Kurt bekommt wieder ein Zeugnis und hat nochmals die gleichen Noten. Da geht er zu einem Nachhilfelehrer und er ist ganz verwundert, dass Lehrer normale Menschen sind. Am Abend holt er Lisa vom Atelier ab. Sie wird aber von jemand anderem begleitet, was ihn sehr schmerzt. Auch nach einer Party Weißmanns, einem von Lisas Freunden, ändert sich am Verhältnis zwischen Lisa und Kurt nichts. In der Schule warten jetzt schon alle, ob sie zur Matura antreten dürfen. Kupfer terrorisiert die Schüler. Er quält sie mit  überlangen Prüfungen und er verhängt unerlaubte Karzer. Kurts einzige Stütze ist Lisa, da sein Vater in ein Sanatorium gebracht wurde, und seine Mutter bei seinem Vater ist.

Kurt weiß, dass sein Vater vielleicht sterben würde, wenn Kurt durchfiele und der Vater einen Herzinfarkt kriegte. Er darf zur Matura antreten. In Mathe verhaut er das erste Beispiel. Sonst bringt er eine durchschnittliche Leistung. Er weiß nicht, ob er durchgekommen ist. Während er auf das Ergebnis wartet, fällt er in Trance und denkt über sein Leben nach. Als die Lehrer in den Raum kommen, um ihm das Ergebnis mitzuteilen, verlassen ihn seine Nerven und er springt aus dem Fenster und ist tot. Das Tragische daran ist, dass er für reif erklärt worden wäre.


Interpretation:


Der Roman fiel der Zensur und den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten zum Opfer und wurde in die Liste der ,,entarteten Schriftwerke" aufgenommen und verbrannt. Einerseits weil er das Werk eines Juden ist, andererseits weil ,,kranke, psychisch labile Helden", wie Kurt Gerber einer ist, keinen Platz in der Nazi-Ideologie haben.

Der Roman ,,Der Schüler Gerber" ist ein Schülerroman, der bereits 70 Jahre alt ist. In der Schule hat sich seither vieles verändert. Die Lehrer-Schüler -Beziehung ist persönlicher geworden, es ist zumindest in der Psychologie klar, dass die Schule einen jungen Menschen brechen kann und dass daher Lehrer ihre Schüler als ganze Menschen sehen sollten, nicht nur als ,,Schüler". Es gibt mehr Mitspracherecht der Schüler und Eltern als früher. Auch ein Einspruchsrecht gegen vermeintlich ungerechte Benotung wurde eingeführt.

Trotzdem ist der Roman nach wie vor aktuell: Es ist noch immer möglich, dass ein Lehrer einen Schüler psychisch zerstören kann. Es gibt leider noch immer Lehrer wie Prof. Kupfer, die überheblich sind, keinerlei Kontakt zu den Schülern suchen und ihr Fach als das Wichtigste im Leben ansehen ohne Verständnis dafür, dass das für Schüler vielleicht nicht so ist.

 

Zitat (2)


Torberg hat es aber im Roman vermieden, der Schule die alleinige Schuld am Selbstmord Kurts zu geben. Ich glaube auch, dass mehrere Gründe eine Rolle spielen müssen, damit ein junger Mensch einen Schlussstrich unter sein Leben zieht.

Das Hauptproblem von Kurt ist, dass er Sachen haben oder erreichen will, die er nicht bekommen kann, wie zum Beispiel die Liebe von Lisa. Er liebt sie abgöttisch, jedoch erwidert sie diese Liebe nicht sondern spielt nur mit ihm. Auch das Maturaproblem scheint unlösbar für ihn, da Prof. Kupfer ihm den Weg versperren zu scheint und er durch die Krankheit seines Vaters es sich nicht leisten kann zu versagen.

Sicher kann die Schule oft arg sein. Auch eine enttäuschte Liebe kann zu schweren Depressionen führen. Und wenn man mit den Eltern nicht reden kann und wenn einen auch die Freunde nicht verstehen, dann ist das für einen Menschen sehr schlimm.
Gott sei Dank ist es nur selten, dass alles zusammenkommt wie bei Kurt Gerber.
Meistens hat man doch noch immer irgend jemanden, mit dem man reden kann oder irgendetwas, an dem man sich ,,anhalten" kann.

Trotzdem zeigt der Roman sehr gut auf, dass Machtmissbrauch, so wie ihn Prof. Kupfer betreibt, zerstörerisch ist. Und wenn auch vielleicht nicht mehr so oft in der Schule, so kommt es trotzdem in vielen Bereichen des Lebens vor, dass Menschen, die durch ihre Position Macht haben wie z. Bsp. Lehrer, Eltern, Politiker, Menschen in Führungspositionen, mit dieser Macht nicht verantwortungsvoll genug umgehen und ihre ,,Untertanen" schikanieren und für die eigenen Machtspiele benutzen. Und das macht diesen Roman meiner Meinung nach bis heute aktuell! Wenn Menschen von anderen abhängig sind, gibt das den anderen Macht. Es ist wichtig, dass sich die ,,Mächtigen" immer ihrer Verantwortung bewusst sind und bedenken, dass die von ihnen Abhängigen in einem Punkt ganz gleich sind wie sie: Sie sind Menschen mit persönlichen Schicksalen, Gefühlen, Stärken und Schwächen!

 

Zitat (1) Friedrich Torberg, Der Schüler Gerber, dtv 1930, S. 31

Zitat (2) Friedrich Torberg, Der Schüler Gerber, dtv 1930, S. 32


copyright by Sabine S.

zurück zur Deutsch-Seite