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Vergleichende Gedichtanalyse zwischen
„Wie ist die Zeitung doch interessant“
von A.H. Hoffmann von Fallersleben

und

„Bildzeitung“ von Hans Magnus Enzensberger

 

 

 

„Wie ist die Zeitung doch interessant“ A.H. Hoffmann von Fallersleben

„Bildzeitung“ Hans Magnus Enzensberger

 

Das Gedicht „Wie ist die Zeitung doch interessant“, das 1841 von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und das Gedicht „Bildzeitung“, welches 1957 von Hans Magnus Enzensberger veröffentlich wurden, beschreiben im wesentlichen den selben Sachverhalt.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gehört zu den bedeutendsten Vertretern des Vormärz und ist auch für die Deutschen allgemein ein herausragender Dichter.

Hans Magnus Enzensberger wurde 1929 in Kaufbeuren im Allgäu geboren. Er promovierte in Literaturwissenschaft und begann zu schreiben. Enzensberger ist ein Schriftsteller, der sich aktiv in die Politik einmischte und seinen Einfluss auf die politischen Verhältnisse nutzen wollte. So ist sein Werk auch immer politisch motiviert und will Kritik üben an den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen.

Sie beschreiben im wesentlichen die Sinnlosigkeit verschiedener „Klatsch- und Tratschzeitungen“ sowie typische Inhalte, die teilweise Menschen faszinieren und doch von wenig wahrem gezeichnet sind. Dies haben die beiden Dichter in ihren Werken mit sprachlichen und inhaltlichen Elementen dargestellt.

 

Als Gemeinsamkeiten kann man zum Beispiel den Adressaten festlegen. In beiden Werken werden die Leser der  „Klatschzeitungen“ direkt angesprochen. Es wird auch ein bisschen auf den Personentyp eingegangen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der ähnliche Inhalt. Beide Inhalte beziehen sich auf die nicht immer wahrheitsgetreuen Berichterstattungen der Blätter. Unterschiedliche Elemente sind zum einen, dass im Werk von Fallersleben hauptsächlich Dinge beschrieben werden, womit das gemeine Volk im wesentlichen nichts zu tun hat. Es beschreibt hauptsächlich Dinge, die Adlige geleistet haben oder wie sie dadurch geehrt wurden, also etwas, womit das Volk nichts zu tun hat. Anders im Gedicht von Enzensberger. Es werden direkt Berufsgruppen, wie die normalen Arbeiter oder die Frauen angesprochen.

 

Das Gedicht von Fallersleben ist in 2 Strophen mit jeweils 10 Versen gegliedert. Es wird ein reiner Paarreim im ersten und zweiten sowie neunten und zehntem Vers verwendet, wohingegen man im dritten bis achten Vers einen Haufenreim findet. Jeweils der erste und letzte Vers bilden einen Rahmen, in dem Fall eine Emphase mit einer Wiederholung. Betrachtet man sich nun die erste Strophe so kann man folgendes feststellen. Vom dritten bis zum achten Vers ist ein Klimax zu erkennen, was durch immer höher werdende adlige Titel hervorgerufen wird. Jeweils am Ende des zweiten bis achten Verses entsteht eine Alliteration. Das letzte Wort endet immer mit dem selben Laut. Der neunte Vers lässt noch einmal durch: „Wie interessant! wie interessant!“ eine Wiederholung entstehen. Den letzten Vers der ersten Strophe kann man als Ironie auffassen.

Die zweite Strophe beginnt ebenso wie die erste, dass heißt die ersten beiden Verse sind identisch.

Ab dem dritten Vers findet man wieder eine Klimax, der sich bis zum achten Vers hält. Auch findet die Alliteration wieder Anklang. Im neunten Vers erscheint abermals eine Wiederholung. Der letzte Vers stellt wieder eine Ironie dar.

 

Im Gegensatz zum Gedicht von Fallersleben verwendet Enzensberger 4 Strophen, wobei man in den ersten drei Strophen jeweils acht Verse vorfindet und in der vierten Strophe 15 Verse. Als weiteren strukturierten Gegensatz findet man kein Reimschema beziehungsweise keinen Reim. Auch verzichtet Enzensberger fast vollständig auf Interpunktionen. Allgemein kann man sein Gedicht in zwei größere Teile gliedern. Der erste setzt sich aus den drei ersten Strophen zusammen, der zweite Teil enthält eine, dafür aber deutlich längere, Strophe. Im ersten Vers wird zunächst die Lesergruppe der Arbeiter und Männer angesprochen. Sie spricht von den: „Uhrenstechern“, also den einfachen Arbeitern. Wer reich sein will, muss etwas riskieren. Dafür muss man aber auch etwas investieren und verlieren können, denn wenn: „Turandot“, die mythische Frau, die Rätsel stellt, nicht will, verliert man eben. Der erste und letzte Vers bilden jeweils einen Rahmen. Ebenso findet man in den beiden genannten jeweils am Satzanfang die Wiederholung des Wortes: „Du“. Der Leser wird direkt angesprochen. Die zweite Strophe in Enzensbergers Werk spricht die „Stenotypistin“ an, die brave Büroangestellte. Wer schön sein will, muss sich sehen lassen. Der Produzent entscheidet, ob die Druckerschwärze salbt. Früher salbte man Könige. Jemand wird zur „Miss“ gewählt oder eben „missgewählt“, ein Wechselbalg ist ein Kind des Teufels. Wieder bilden der erste und letzte Vers einen Rahmen. Es entstehen im zweiten und letzten Vers eine Wiederholung, die den Leser wieder anspricht. In der dritten Strophe wird die Politik angesprochen, wobei Stimmenvieh abwertend für unkritische Wähler benutzt wird. Aus dem Bauch heraus wird unreflektiert Gewalt und Aktion gefordert, was mit „Boxhandschuh“ und „gib doch Zunder gib doch Gas“ erklärt wird. Wiederum bilden der erste und letzte Vers einen Rahmen. In der zweiten und letzten Strophe tritt wieder die Wiederholung: „du“ auf. In der letzten Strophe kritisiert Enzensberger die naive Gläubigkeit der Zeitungsleser. Sie werden zwar reich, schön und stark aber nur reich an Verleumdungen und Lügen, schön an Strafzetteln und Schweiß sowie stark erniedrigt. Auch sie kann man allgemein in drei Abschnitte gliedern. Dabei bilden der erste Vers, der zweite bis zehnte Vers und der elfte bis fünfzehnte Vers einen Untergliederungsteil. Es ist vom Prinzip her eine Zusammenfassung der ersten drei Strophen. Man findet auch hier gleich im ersten Vers eine Wiederholung von: „du“. Die Lohnstreifen und Lügen beziehen sich auf die erste Strophe, die Musterungen und der Malzkaffee auf die zweite und stark erniedrigt und besudelt mit Strafzetteln auf die dritte Strophe. Im elften bis dreizehnten Vers ist eine Vergleich zwischen der Rotation der Erde und der Rotation aus Betrug. Im vorletzten und letzten Vers ist noch eine Anapher zu erkennen, welche durch „das du“, womit der Leser wiederum direkt angesprochen wird, zum Ausdruck kommt. Die letzten drei Verse geben eindeutig einen Hinweis auf die Bildzeitung und bezeichnen es als „Leichentuch“.

 

Um die Unterschiede zu klären muss man sagen, dass Enzensberger sich auf die heutige Zeit mit ihren Problemen konzentriert hat, wohingegen Fallersleben Dinge beschrieben hat, die für die damalige zeit „interessant“ waren. Die Gesamtaussage der beiden Gedichte bezieht sich auf den nicht immer wahrheitsgemäßen Inhalt der Zeitungen, worin auch Dinge stehen, die eigentlich niemand so richtig interessieren und doch in den Bann ziehen können.

 

Abschließend kann man sagen, dass das Werk von Fallersleben ausschließlich auf Probleme der damaligen Zeit eingeht. Er hat dabei einen einfachen Sprach- und Schreibstil, sodass man den Text gut verstehen, analysieren und interpretieren kann. Hingegen bezieht sich Enzensberger auf Probleme, die von heute sein könnten, auch wenn das Werk schon fast fünfzig Jahre alt ist. Dabei benutzt er einen schweren Sprach- und Verständlichkeitsstil, womit es sehr schwer wird das Gedicht zu verstehen, analysieren und zu interpretieren.

 

 

copyright by Benjamin B.

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