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Veränderungen in der Ehe:


Die ,,Normalfamilie" als Standard ein ,,Auslaufmodell"?

Sie wird in jedem Fall seltener und hat als Modellvorlage an Bedeutung verloren.
Es wird - wenn überhaupt - später geheiratet, alternative Formen des Zusammenlebens und Ehescheidungen nehmen zu.

Ein Drittel der Haushalte war 1982 noch traditionelle Haushalte von Ehepaaren mit ledigen Kindern. Vielfältige Lebensformen sind gesellschaftsfähig geworden, die "Patchwork-Familie" hat sich etabliert.

Diese Tatsachen fanden Eingang in Wissenschaft und Politik und führten zu einer Neuorientierung. So setzte sich die Erwartung durch, dass Frauen zu ihrer eigenen sozialen Sicherung selbst beitragen sollen, was sich z.B. im Scheidungsrecht durchsetzte, das eine prinzipielle Eigenverantwortung beider Ehepartner für die eigene Existenz vorsieht. Unterhalt für einen der Ehepartner ist als Ausnahme geregelt. ,,Unbedingte" vom Ehemann und Familienstatus abgeleitete Sicherungen - Hinterbliebenenversicherung, Familiensicherung in der Gesetzlichen Krankenversicherung -, gelten zunehmend als nicht mehr zeitgemäß. Regelungen, die eine eigenständige Existenzsicherung der Frau durch ihre Erwerbsarbeit zum Ziel haben, werden angestrebt. Es wird diskutiert, durch mehr Flexibilität in den Beschäftigungsverhältnissen, mehr Teilzeitarbeit, tarifliche Löhne auf niedrigem Niveau, vor allem bei Dienstleistungen mehr Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen. Nur für Kindererziehung und Pflege betreuungsbedürftiger Angehöriger soll Ausgleich geschafft werden. Der Ehemann als ,,Haupt-Ernährer", ein Auslaufmodell? Zwar heiraten immer noch 90% der Menschen wenigstens einmal, die Mehrheit bleibt auch noch verheiratet, aber Trennung und Scheidung sind wahrscheinlicher geworden. Verschiedene Formen des Zusammenlebens sind teilweise Übergangsphasen im Lebensverlauf. Das Zusammenleben ist unverbindlicher geworden. Ursächlich für das Alleinerziehen ist in den meisten Fällen Trennung oder Scheidung, nur sehr selten eine frei gewählte Lebensform. Es ist sicherlich leichter geworden, eine schlechte Partnerschaft zu verlassen. In stabilen Ehen ist Armut von Frauen und Kindern seltener, oft nur vorübergehend. Kindererziehung und Haushalt, sind entgegen den Zielrichtungen neuerer Vorstellungen immer noch Sache der Frauen. Die Sicherung des Einkommens konnte bisher durch das Einkommen einer vollbeschäftigten Person erreicht werden. Die Erwerbsverläufe von Frauen sind bestimmt durch Erwerbsunterbrechungen, Verringerung der Arbeitszeit beim Wiedereinstieg. Schwierigkeiten beim Neubeginn nach der Pause, keine kontinuierliche Kinderbetreuung sorgen dafür, dass dieses Einkommen für eine unabhängige Existenz nicht ausreicht. So bleiben die Frauen weiterhin vom Ernährer-Ehemann abhängig. Bei schwindender Konjunktur ist dessen Weiterbeschäftigung nicht mehr sicher garantiert. Dazu kommt dann noch die Krisenhaftigkeit der Ehe. Unter diesen Voraussetzungen reicht dann bei einer Trennung der Partner das bisherige Einkommen häufig nicht mehr aus, die Existenz zu sichern. Das Sozialamt tritt dann nur zu oft an die Stelle des Ernährer-Ehemanns. Wie in den Sozialhilfeverläufen der Bremer Studie zu sehen war, sind Trennungssituationen oft mit Sozialhilfebezug verknüpft. Diese alleinerziehenden Mütter konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt mit einer zunehmenden Zahl von gut ausgebildeten, vollzeitbeschäftigten, kinderlosen Frauen.

Ihnen ist es möglich, unbelastet von Kinderversorgung und Haushalt wirklich auf dem Arbeitsmarkt mit Männern um gleiche Arbeitsplätze zu kämpfen. Alleinerziehende Frauen haben da um so weniger Chancen. Alle Versuche, die Existenz von Frauen auch für die Zeit der Betreuung von Kindern von staatlicher Seite her abzusichern reichen noch nicht aus. In den Köpfen ist die Mutter immer noch die Person, die für Familienarbeit zuständig ist, ganz besonders bei Kindern unter 3 Jahren gilt sie als die wesentliche Bezugsperson. Kinder in diesem Alter sind am besten im Elternhaus aufgehoben und betreut ist auch heute noch überwiegende Meinung, auch auf Seite des Staates. Das entspricht nicht dem Wandel der Familienformen. Vor allem in Ballungsgebieten mit hohen Lebenshaltungskosten kann von einer finanziellen Unabhängigkeit der Frauen keine Rede sein. Frauen sind leider immer noch einen Mann weit vom Sozialamt entfernt. Etwa jede dritte Frau hat das Gefühl, dass sie den gewonnenen Freiheitsspielraum mit wesentlich größeren Belastungen erkaufen musste.

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