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Die Schachnovelle - Novelle 1941:

Autor: Stefan Zweig (1881-1942)

Entstehungszeit: 1942 veröffentlicht

Textsorte: Novelle (soll ein bedeutungsvolles Ereignis aus dem Alltagsleben darstellen und durch das Aufzeigen einer Krisensituation vermitteln, was Menschenleben überhaupt ist "Friedrich Theodor Vischer").

Literarische Richtung: Literatur im deutschen Faschismus (1933-1945) speziell über österr. Schriftsteller im Exil

Sprachliche u. stilistische Merkmale: Die Schachnovelle ist in der Rahmengeschichte eine Ich-Erzählung, in der die erzählende Person jedoch eine untergeordnete, beobachtende Stellung einnimmt.

Biografie:

Stefan Zweig wurde 1881 in Wien geboren. Er studierte in Berlin und Wien und promovierte 1904 zum Dr. phil. Danach unternahm er ausgedehnte Reisen. Während des ersten Weltkrieges im Kriegsarchiv tätig, bekannte er sich 1917 öffentlich zum Pazifismus, lebte bis Kriegsende in Zürich und kehrte 1919 nach Salzburg zurück. 1938 emigrierte er nach England. 1940 übersiedelte Zweig in die USA, 1941 nach Brasilien. Dort beging er gemeinsam mit seiner Frau als innerlich zerbrochener Exilant 1942 Selbstmord.

Weitere Werke:

Der Amokläufer (1922), Angst (1925), Verwirrung der Gefühle (1927).

Maria Stuart (1935).

Personen:

Mc Connor: Ein Tiefbauingenieur, der in Kalifornien durch Ölbohrungen zu beträchtlichem Wohlstand gekommen ist. Sein Aussehen findet sich auch in seinem rüden selbstgefälligen, mürrischen und rücksichtslosen Charakter wieder.

Mirko Czentovic: Geboren als Sohn eines armen südslawischen Donauschiffers. Er wird nach dem Tode seines Vaters als Zwölfjähriger von einem Dorfpfarrer aufgenommen und erzogen. Trotz allen Anstrengungen gelingt es diesem nicht, dem Jungen eine elementare Bildung zu verschaffen. Sein Gehirn arbeitet nur schwerfällig. Er verrichtet teilnahmslos jegliche häusliche Arbeit. Zweig stellt ihn als Schachprofi dar, gleichzeitig aber schildert er auch dessen negative Charakterzüge und beschreibt ihn als kaltschnäuzig und emotionslos. Diese Eigenschaften sind aber sein Erfolgsrezept. Auf dem Schachbrett hat er Erfolg, doch im Leben ist er eine groteske, beinahe komische Figur.

Dr. B.: Ist eine stille und unauffällige Person, bevor er in der Isolationshaft der Nazis an der Schachvergiftung erkrankt. In der Zelle ist Dr. B von der Außenwelt abgeschnitten, jegliche Beschäftigung und Kommunikation mit Mitmenschen wird ihm untersagt. Um nicht dem psychischen Druck der Nazis zu unterliegen, beschäftigt er sich mit aufgezeichneten Schachpartien. Die endet in einer künstlichen Schizophrenie einer Spaltung in ein Ich Weiß und in ein Ich Schwarz. Nachdem seine geistige Verwirrung von einem Arzt festgestellt wird lässt man ihn frei. Doch eine vollständige Heilung ist nicht möglich da eine Gefahr auf Rückfälligkeit besteht. Dies macht sich an der Stelle an der Dr. B gegen Czentovic spielt bemerkbar. Die langen Wartepausen von Czentovic bringen Dr. B an den Rand eines neuerlichen Nervenzusammenbruches. Der Ich-Erzähler rettet ihn dann indem er ihn an der Hand packt und an seine Vergangenheit erinnert.

Inhaltsangabe:

Das Buch ,,Schachnovelle" von Stefan Zweig ist 1974 im Fischer-Verlag erschienen und handelt von dem Aufeinandertreffen der zwei Schachgenies Dr. B. und Mirko Czentovic.

Auf dem Passagierschiff, das um Mitternacht von New York nach Buenos Aires ablegt, ist auch der Erzähler und sein Freund. Dieser erzählt ihm vor dem Ablegen, dass Mirko Czentovic, der Schachweltmeister, mit an Bord ist. Da der Erzähler fast nichts über dieses Schachgenie weiß, wird ihm von seinem Freund alles Wichtige berichtet.

Als Mirko Czentovic 12 Jahre alt war, starb sein Vater. Dieser war ein blutarmer Donauschiffer, dessen Schiff nachts mit einem Getreidedampfer kollidierte. Kurz darauf kam Mirko zu einem Pfarrer, bei welchem er von dort an lebte. Da dieser Junge keine richtigen Sätze bilden konnte und rechnerisch nicht begabt war, sprach er fast nie mit anderen Menschen. Sein Ersatzvater, der Pfarrer, und der Dorfpolizist spielten fast jeden Abend ihre üblichen drei Schachpartien. Bei diesen schaute Mirko nach getaner Hausarbeit wortlos zu.

Als eines Winterabends ein Bauer den Pfarrer während seiner Schachspiele bittete, einer im Sterben liegenden alten Frau die letzte Ölung zu erteilen, ging der Pfarrer ohne zu zögern. Als dem Polizisten auffiel, dass Mirko noch immer auf das Schachbrett starrte, fragte er ihn, ob er das Spiel zu Ende führen wolle. Da Mirko von nun an weiterspielte und diese Partie überlegen nach nur 14 Zügen gewann, spielten sie auch noch eine zweite. Diese endete genauso. Nach der Rückkehr des Pfarrers wollte auch dieser gegen seinen Pflegesohn spielen und hatte keine Chance gegen Mirko. Der Pfarrer ließ das junge Talent kurz darauf auch in Cafes gegen engagierte Schachspieler antreten. Da Mirko auch diese Spiele meistens siegreich beendete, nahm sich Graf Simczic vor, den kleinen Jungen in der Schachkunst auszubilden. Von da an begann die erstaunliche Karriere des Knaben.

Durch ein paar Kommentare seines Freundes hat der Erzähler den Wunsch, Czentovic kennen zu lernen. Doch schon nach drei Tagen wird klar, dass dies ein fast unmögliches Unternehmen ist. Als McConnor, ein schottischer Tiefbauingenieur, den der Erzähler auf dem Schiff trifft, erfährt, dass der berühmte Mirko Czentovic mit auf dem Schiff ist, möchte er unbedingt gegen diesen Schachweltmeister spielen. Mirko nimmt diese Bitte um eine Partie aber nur für sein übliches Honorar an.

Als Tags darauf das teure Spiel von McConnor eindeutig verloren ist, fordert er eine Revanche und bekommt sie zum gleichen Preis, wie die erste Partie. Auch beim nächsten Spiel ist Czentovic stark überlegen. Dies ändert sich jedoch, als ein unbekannter Herr, welcher später Dr. B. genannt wird, hinzu kommt. Nach mehreren Zügen endet diese Partie nun mit einem Remis. Das inzwischen stark angewachsene Publikum ist begeistert.

Mc Connor hat nun den Wunsch, dass Dr. B. allein gegen Czentovic spielen soll, um diesen Weltmeister endlich einmal verlieren zu sehen. Wiedererwartend lehnt dieser wundersame Herr aber ab.

Anschließend geht er aus dem Zimmer. Als Stefan dem Herrn folgt und wenig später auf dem Promenadendeck findet, stellen sie sich einander vor und unterhalten sich, woher Dr. B. so gut Schach spielen kann.

Als vor dem zweiten Weltkrieg Hitler in Wien einmarschierte, wurde auch Dr. B. verhaftet und in das Hotel Metropole gebracht. Dort wurden Gefangene, von denen die Gestapo Geld oder wichtige Informationen wollte, unter völliger Isolation inhaftiert und verhört. Die Verhöre wurden zu unregelmäßigen Zeitpunkten durchgeführt. Da die Gefangenen weder etwas zum Schreiben noch etwas zum Lesen hatten, wussten sie nie, wie viel Uhr oder welcher Tag es war.

Als Dr. B. schon bereit war, alles zu sagen, was die Gestapo hören wollte, geschah etwas für ihn erlösendes. Er sah in einem Mantel, welcher am Kleiderhaken vor dem Verhörsaal hing, ein Buch. Dr. B. konnte der Versuchung nicht widerstehen und stahl es. Zurück in der Zelle las er es dann und bemerkte, dass es von den 150 bekanntesten Meisterpartien handelte. Anfangs war das eine große Enttäuschung für ihn, doch dann lernte er alle Spiele auswendig.

Seine ununterbrochenen Gedanken an Schach wurden schon bald zu einer ,,Schachvergiftung", welche ihn so stark in Mitleidenschaft zog, dass er schließlich den Wärter, der ihm das Essen brachte, angriff. Bei dieser Aktion verletzte sich Dr. B. und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort hörte er zum ersten mal seit fast einem Jahr wieder nette menschliche Stimmen. Da der behandelnde Arzt Mitleid mit ihm hatte, empfahl er eine Haftentlassung, welcher kurz darauf zugestimmt wurde. Statt zurück in seine Hotelzelle kam er nun in eine Nervenklinik, wo er von seiner Schachsucht geheilt werden sollte. Ein Jahr vor der Fahrt auf diesem Passagierschiff war Dr. B. erfolgreich aus der Therapie entlassen worden, wobei ihm aber geraten wurde, nie mehr Schach zu spielen.

Stefan schafft es, Dr. B. doch noch zu einer einzigen Schachpartie zu überreden. Das anfangs ausgeglichene Spiel wird für Dr. B. zu einer Qual, da Mirko Czentovic lange zum Überlegen braucht. Er wird immer nervöser und dreht fast durch. Als Mirko die erste Partie abbricht, da er keine Chance mehr sieht, fragt er, ob Dr. B. noch eine weiteres Spiel wollte.

Stefan versucht die Begeisterung des fieberhaft spielenden Dr. B. zu bremsen, doch es gelingt ihm nicht. In dieser Schachpartie nutzt Mirko Czentovic jede Minute seiner Zugzeit voll aus. Als Dr. B. geistig schon bei anderen Spielen zu sein scheint, unterbricht Stefan die Partie, um den gestressten Herrn, welcher fast wieder seiner Schachvergiftung unterlegen wäre, vom Schachbrett und somit von seinen Problemen zu entfernen.

Dr. B. bedankt sich kurz beim Publikum und entschuldigt sich, für sein Aufgeben. Er wird nie wieder ein Schachspiel ausführen, da diese Tätigkeit ihn zu einer Art Wahnsinn führt.

Interpretation:

Stefan Zweig wollte mit diesem Buch den Nationalsozialismus aus der Sicht der Opfer kritisieren. Er schildert die Methoden der Gestapo und wie diese die Menschenrechte mit Füßen tritt. Über die Hälfte des Buches beschäftigt er sich mit Dr. B., dem die Isolierhaft ein Leben lang zu schaffen macht.

In der Novelle wird deutlich, dass Dr. B. ebenso wie Stefan Zweig unter dem nationalsozialistischen Regime leidet. Dr. B. unter der Isolationshaft, Zweig darunter, dass er sein geliebtes Heimatland Österreich nicht mehr sehen kann.

Vergleicht man die beiden Hauptpersonen des Buches, nämlich Dr. B. und Mirko Czentovic, haben sie nur eines gemeinsam, das Schachspiel.

Czentovic will unbedingt erfolgreich sein. Er ist ein Materialist und genießt seinen Erfolg als Schachspieler. Dr. B. hingegen ist ruhig, schüchtern und bescheiden.

Die Schachnovelle ist die letzte abgeschlossene Prosadichtung von Stefan Zweig, kurz vor seinem Selbstmord im Ausland. Sie prangert den 2. Weltkrieg an, sowie die Terrormethoden.

Am Schluss der Novelle will Zweig auf die Gefährdung der Gewaltherrschaft hinweisen. Die Schachnovelle entstand in der Zeit, wo Millionen von Verfolgten in den Konzentrationslagern des Hitlerregimes leideten.

Stefan Zweig besaß das Talent, geschichtliche Begebenheiten auf eine novellistische Art zu erzählen. Er konnte typisch menschliches Verhalten auf eine fesselnde Art und Weise darstellen. Ein Einfühlungsvermögen war in seinen Werken zu erkennen.

Persönliche Beurteilung:

Die Schachnovelle ist ein Buch, das auch in der heutigen Zeit noch viel vermittelt. Er schreibt zwar über eine fast schon ,,gewöhnliche" Problematik im NS-Regime, jedoch auf seine eigene Art. Zweig gab sich Mühe, die Schachnovelle so zu schreiben wie seine Empfindungen und Erfahrungen sind. Dem Leser bietet er wenige Personen mit Eigenarten, durch die eine Spannung entsteht. Dr. B. und der Ich-Erzähler sind die positiven Figuren. Negativ werden Czentovic und der reiche Schotte geschildert.

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