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Die Physiker - Komödie 1962:

Autor: Friedrich Dürrenmatt (1921-1990)

Entstehungszeit: 1962

Textsorte: Komödie (Situationskomödie): Drama, das die Schwächen des Menschen bloßstellt, sie lächerlich macht oder brandmarkt; heitere Überlegenheit zeichnet die Komödie aus. Situationskomödie: Verwicklungen und Missverständnisse erzeugen Komik.

Im Deutschen: Lustspiel.

Literarische Richtung: Die deutschsprachige Literatur in der Schweiz nach 1945 (Schweizer Moderne)

Sprachliche u. stilistische Merkmale: ist einfach und verständlich gefasst, teilweise klingt sie sogar schon fast banal. Bis auf ein paar nicht relevante Fachausdrücke aus der Physik wird dem Leser weiteres Gebildetsein nicht abverlangt. Durch die offene Formulierung wird den Spekulationen des Lesers freien Lauf gelassen. Daneben unterstützt die Sprache noch das falsche Spiel der Hauptakteure und dient als Werkzeug für die sehr reell erscheinen. klassische Dramenform.

Weitere Werke:

Dramen:
"Der Besuch der alten Dame. Eine tragische Komödie" (1955)
Hörspiele:
"Die Panne" (1956);
Epik:
Satirische Erzählung: "Grieche sucht Griechin.
Kriminalromane:
"Der Richter und sein Henker" (1950/51);

Fortsetzungsromane für Zeitungen geschrieben. "Justiz" (1985)

Biographie:

Friedrich Dürrenmatt wurde 1921 in Bern geboren. Er besuchte ein Gymnasium und studierte in Bern und Zürich Theologie, Philosophie und Germanistik. 1947 heiratete er die Schauspielerin Lotti Geißler. 1959 bekam der den Schillerpreis der Stadt Mannheim. Seit 1970, beginnend mit Goethes "Urfaust" begann die Fortsetzung der Theaterarbeit in Zürich. 1982 starb seine Frau und 1985 heiratete er die Filmemacherin Charlotte Cherr. 1986 erhielt er den Büchner-Preis. Friedrich Dürrenmatt starb 1991 in der Schweiz.

Personen:
Möbius: Manchmal ist er unbeholfen, aber trotzdem ist Möbius sehr intelligent. Er hatte es in seiner Jugend nicht leicht, weil seine Eltern früh starben. Doch schon bald öffnet sich ein Licht in seinem Leben, mit fünfzehn lernt er die Tochter des Hauswirtes kennen, die er später auch heiratet. Sein Glück reißt so schnell nicht ab, seine Frau bekommt drei Kinder und er soll eine Professur erhalten. Doch da zieht er sich in die Irrenanstalt zurück, um seine Erkenntnisse und Entdeckungen vor dem Missbrauch durch mächtigere Personen zu schützen. Möbius gelangt nur in die Irrenanstalt, indem er vorgibt der berühmte König Salomo sei ihm erschienen. Als seine Pflegerin Monika Stettler hinter sein "Geheimnis" kommt, gesteht sie ihm ihre Liebe und möchte mit ihm fliehen, doch Möbius denkt anders und bringt sie um.

Newton: Sein richtiger Name ist Alec Jasper Kilton. Er sieht in Möbius ein Genie. Aber selber zählt er sich zu den "Nichtgenialen". Newton begeht den Mord an die Krankenpflegerin Dorothea Moser aus zwei Gründen. Der erste Grund war, das seine Geheimdienstmission durch sie gefährdet wurde, der Zweite um seinen Wahnsinn entgültig zu beweisen. Newton ist ein zynischer und aufrichtiger Mensch.

Einstein: Sein richtiger Name ist Joseph Eisler (Entdecker des Eisler-Effekts) Wie Möbius und Newton hat auch Einstein eine Pflegerin ermordet und zwar Irene Straub, weil sie wie ihre Vorgängerinnen Verdacht geschöpft hat. Einstein kann sich nur mit Hilfe des Geigenspielens beruhigen. Er warnt sogar das "letzte Opfer" Monika Stettler indem er ihr sagt, sie solle Möbius gehorchen und fliehen, sonst wäre sie verloren. Einstein zeigt sich ebenfalls mutig, wenn es verlangt wird und er geht Kompromisse ein.

Mathilde von Zahnd: Sie stammt aus einer einst angesehenen und mächtigen Industriellenfamilie. Sie genießt den Ruf als Menschenfreund und Psychiater von Weltruf. Es stellt sich aber heraus, dass das nicht stimmt, sondern sie äußerst kalt und berechnend handelt. Sie deckt durch ihre Schlauheit die Wahrheit über die drei Physiker auf und eignet sich Entdeckungen und Erfindungen für ihr einziges Ziel an, nämlich die Weltherrschaft zu erlangen.
Zuletzt erfährt man, dass sie im Auftrag des goldenen Königs Salomo handelt. Es zeigt sich, dass die Irrenärztin selbst geisteskrank ist.

Inspektor: Er wird als verantwortungsbewusst dargestellt. In seinen Recherchen der Morde ist er sehr geduldig und versucht, so weit es geht, alles aufzudecken. Er hat schon die letzten Morde in der Irrenanstalt untersucht und bei jedem neuen kommt in alles so vor als wäre es erst gestern gewesen. Aber im Gespräch mit Newton wirkt er ziemlich hilflos. Beim letzten Mord, der an Schwester Monika, wirkt er freier.

Monika Stettler: Der Mord an die Krankenpflegerin lässt die Falle, die den drei Physikern gestellt wurde, zuschnappen. Monika war eine freundliche und hilfsbereite Person. Sogar Mathilde von Zahnd sagt, dass sie ihre beste Pflegerin war, weil sie die Kranken verstand und mit ihnen fühlte. Sie liebte sie wie eine Tochter. Aber Mathilde von Zahnd denkt sofort wieder an sich sie sagt, dass ihr Tod nicht das Schlimmste sei, sondern ihr medizinischer Ruf. Monika fühlt sich Möbius besonders stark hingezogen. Sie sucht sogar einen Weg, um mit ihm, aus der Irrenanstalt zu fliehen. Doch ihr Traum wurde nie erfüllt, denn Möbius hat sie erdrosselt.

Lina Rose: Möbius Exfrau Lina hat den Missionar Oskar Rose geheiratet, der sechs Kinder mit in die Ehe bringt. Sie hat es nicht leicht im Leben, trotzdem versucht sie ihrer "neuen" Familie ein bestmögliches Leben zu bieten.

Inhaltsangabe:
Die Handlung spielt im Salon der Villa eines Irrenhauses, in der nur drei Patienten wohnen und auffälligerweise sind alle drei Physiker.
Die prominenten Gäste sind in einem Neubau der Anstalt getrennt von der Villa zu hohen Preisen untergebracht.
Leiterin und Gründerin des Irrenhauses ist Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd.
Eine Krankenschwester wurde getötet, deren Mörder der Physiker Ernesti, der sich für Einstein hält, ist. Während der Ermittlungen erscheint Newton, der zweiter Physiker namens Beutler, und man erfährt, dass auch Newton seine Krankenschwester umgebracht hat. Aufgrund des zweiten Mordes gibt der Polizeiinspektor Frau Mathilde von Zahnd den Rat, starke Männer als Pfleger einzusetzen.
Kurz nachdem der Inspektor gegangen ist, kommt Frau Rose - sie hat sich von Möbius scheiden lassen - mit ihrem neuen Mann und ihren drei Kindern. Möbius beginnt den Irren zu spielen. Er schüchtert seine Familie ein und wirft sie hinaus.
Einige Zeit später kommt die Schwester Monika, die ihm ihre Liebe gesteht und sie beide aus dem Irrenhaus wegziehen könnten.
Möbius erdrosselt die Krankenschwester. Nun kommen riesige Pfleger, die Türen werden geschlossen und die Fenster vergittert.
Beim Mittagessen gesteht Newton den beiden anderen Physikern, dass er eigentlich Kilton, der Begründer der Entsprechungslehre, ist und er Möbius ausspionieren wollte. Daraufhin gibt Einstein zu, dass auch er nicht verrückt ist. Er heiße Eisler, der Entdecker des Eisler-Effektes, und er arbeite ebenfalls für einen Geheimdienst.
Zuletzt gibt auch Möbius zu, dass er nicht verrückt ist. Er sei aber hinter das Geheimnis der Schwerkraft gekommen und er fürchte, dass seine Entdeckung für die Menschheit verheerende Folgen hätte.
Aus diesem Grund ist er in das Irrenhaus geflüchtet.
Sie reden darüber, dass sie als Physiker zu forschen hätten, wie die Ergebnisse aber verwendet werden, liege nicht in ihrer Verantwortung.
Möbius gibt bekannt, dass er seine Manuskripte verbrannt hätte, weil er die Menschheit nicht für reif halte.
Da erscheint die Leiterin des Irrenhauses und die Physiker müssen erkennen, dass ihre wahre Identität längst bekannt ist. Weiters hat sie alle Manuskripte von Möbius fotokopiert und will alle Entdeckungen im Auftrag Salomos, der auch ihr erscheint, zur Weltherrschaft ausnutzen. Die Physiker sind durch die Morde als gefährliche Geisteskranke im Irrenhaus eingeschlossen. Eine Lösung aus dem Dilemma des Atoms weiß auch Dürrenmatt nicht.

Thematik:
Das Stück wird von Dürrenmatt als eine Komödie bezeichnet, da nur das Komische die Tragödie darstellen kann. Es wird aufgezeigt, dass niemand nach freiem Willen handeln kann , sondern sich dem Willen anderer unterwerfen muss. Der Physiker Möbius entdeckt eine Formel, die alle Probleme der Physik löst. Er erkennt, welche Macht in dieser Formel steckt und opfert sein Leben als freier Mensch, nur um die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Am Ende erkennt er, dass alles umsonst war: "Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden "Die Geschichte des Physiker Möbius ist nicht erfunden, sondern steht für Albert Einstein, der mit seinen Erkenntnissen den Grundstein für den Bau einer Atombombe lieferte. Nachdem Einstein die Gefährlichkeit seiner Erfindung erkannte, konnte er deren Herstellung nicht verhindern.
Das Stück ist ein Appell an die Wissenschaft, manches Denkbare nicht zu denken.

Stellungnahme:
Ich finde das Stück sehr aktuell, wenn ich an die Gen-Forschung denke. Aber ich glaube nicht, dass bestimmte Entdeckungen, die bereits gemacht wurden, aus Rücksicht auf eventuelle Schäden oder Katastrophen, nicht weiter erforscht werden. Im Vordergrund steht sicher auch hier, dass ein möglichst großer Profit aus den Entdeckungen erzielt werden wird. Andererseits könnte bei verantwortungsvollem Umgang viel Positives, wie z.B. Entwicklung von neuen Medikamenten, erreicht werden. Beim Abwägen für oder gegen eine bestimmte Entdeckung fürchte ich, wie im Stück "Die Physiker" geschildert, dass eher Missbrauch getrieben wird und die Frage der Verantwortung nicht gestellt wird.

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