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Der Untertan - Roman 1916:

Autor: Heinrich Mann (1871-1950)

Entstehungszeit: 1916

Textsorte: Roman

Literarische Richtung: Bürgerliche Literatur vor dem 1. Weltkrieg

Biographie:

Heinrich Mann, Bruder des viel berühmteren Schriftstellers Thomas Mann, wurde am 27. März 1871 in Lübeck geboren und verstarb am 12. März 1950 im kalifornischen Santa Monica. Sein Leben und seine Werke waren geprägt durch seine Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Intellektuellen. Er war überzeugter Demokrat und steter Kritiker des Bürgertums. Als solcher wurde er zu einem Feindbild der NS-Schriftsteller, so dass er sich schließlich gezwungen sah, 1933 Deutschland zu verlassen. Seine Kritik richtete sich aber nicht nur gegen den Nationalsozialismus, sondern er empfand ebenso eine Abneigung gegen die autoritären Machtstrukturen im wilhelminischen Deutschland. Bearbeitet hat er dies in seiner Romantrilogie ,,Das Kaiserreich" (1916-1925), aus der besonders sein Werk ,,Der Untertan" (1916) herausragt. Da darin vor allem die Kaisertreue des Industriellen Diederich Heßling beschrieben wird, sollte diese einmal klar und deutlich untersucht und aufgezeigt werden.

Werke:

"Professor Unrat oder Das Ende Eines Tyrannen" (1905)

"Die kleine Stadt" (1909)

Dramen:
"Die große Liebe" (1912)

"Das öffentliche Leben" (1932)

Inhalt:

Diederich Heßling ist der einzige Sohn, eines Papierfabrikanten in Netzig (Provinzstadt). In der Schule schon versucht er sich seine Stellung zu sichern indem er hinterhältig seine Mitschüler gegen die Lehrer ausspielt. Nach seiner Schulzeit geht er nach Berlin um Chemie zu studieren. Dort lernt er die Familie Göppel kennen, Bekannte seines Vaters. Diederich verunsichert durch das fremde Umfeld führt sich geradezu tölpelhaft auf. Das Studium bringt ihn zu der Studentenverbindung ‚Neuteutonia‘, dort lernt er den Begriff: Kameradschaft leben. Heßling wird zum fanatischen Anhänger des jungen Kaiser Wilhelm, dem er bei einer großen Demonstration der Arbeiter für mehr Rechte sogar persönlich gegenüber stehen kann. Nach seinem verkürztem Militärdienst, den er wegen eines ‚Fußleidens‘ quittieren muss, kommt es zu einem kleinen Intermezzo mit Agnes, der Tochter des Zellulosefabrikanten Göppel. Es scheint als ob Diederich sich gewandelt hat, doch die Situation zwingt ihn sich für oder gegen eine Heirat mit seiner Geliebten zu entscheiden. Am Ende serviert er sie eiskalt ab, mit der Begründung sie habe eine zu kleine Mitgift. Als ein Doktor der Chemie verlässt er Berlin, um in Netzig die Fabrik seines Vaters zu übernehmen. Dort spielt er sich als aufgeblasener Geschäftsmann auf, fordert deutsche Zucht und Sitte und droht gegen sozialistisches Gedankengut seiner Arbeiter vorzugehen. Seine Mutter und zwei Schwestern Emmi und Magda behandelt er nicht sehr respektvoll, obwohl klar ist das er sie liebt.

Guste Daimchen erweckt schon bald sein Interesse, sie hatte geerbt und wirkt nicht unattraktiv auf Diederich. Obwohl sie mit seinem Jugendfreund Wolfgang Buck verlobt ist, stellt er ihr heftig nach. Sötbier, den alten Buchhalter seines Vaters, sieht er als schon pensioniert und bezieht ihn nur mehr oberflächlich in die Geschäfte mit ein. Napoleon Fischer, sein Maschinenmeister und aktiver Sozialdemokrat, wird von Diederich anfangs als sehr gefährlich eingestuft. Und trotzdem lässt sich Diederich auf eine kleine Vertuschungsangelegenheit mit Fischer ein. Heßling erkennt auch, dass er sich um Beziehungen mit den großen Männern Netzigs kümmern muss und richtet sich seine Überzeugung immer nach dem Gegenüber. Der alte Buck ist der erste den er besucht, er weiß wie gut der Alte auf seine Vater zu sprechen war und nützt dies aus um sein Vorhaben die Vergrößerung seiner Fabrik zu sichern. Noch am selben Tag lernt er Bürgermeister Scheffelweis, Assessor der Staatsanwaltschaft Jadassohn und Pastor Zillich kennen, alle drei sind ebenfalls überzeugt vom Kaiser. Da kommt es zu einem Zwischenfall vor dem Regierungsgebäude. Ein junger Arbeiter wird von einem Wachposten niedergeschossen. Sofort bilden sich zwei Lager, Diederich und seinen Kameraden die den Mord für gerechtfertigt halten und Männern die schon bekannt für ihre sozialistische Gesinnung waren. In einem Ratskeller treffen sich die zwei Seiten wieder und es kommt wiederum zur offenen Auseinandersetzungen. Die Situation erreicht seinen Höhepunkt als Heßling den angesehenen Herrn Lauer, einen Sozialisten, so sehr provoziert, dass dieser Majestätsbeleidigung begeht. Es kommt zum Prozess und Herr Lauer wird zu 6 Monaten Haft verurteilt. Ganz Netzig ist im Vorfeld für Lauer, Diederich wird nicht zu unrecht für alles verantwortlich gemacht und bekommt deshalb massive Verachtung und Demütigung zu spüren. Doch das Blatt wendet sich und Heßling steht am Ende trotzt Verurteilung Lauers wieder gut da. Heßling wird zusammen mit Fischer Stadtverordneter ohne dessen Hilfe er nicht gewählt worden wäre. Fast gleichzeitig löst sich die Verlobung Gustes mit Wolfgang Buck, weil das Gerücht um geht die beiden seien Halbgeschwister. Diederich und Guste heiraten glücklich. Der Präsident Wulckow trifft mit Heßling eine Abmachung. Wonach Heßling sein Fabriksgrundstück verkauft, um ein Kaiser Wilhelm-Denkmal bauen zu lassen. Dafür wird er Generaldirektor und Besitzer der Gausenfelder Papierfabrik.
Am Ende erhält er den Wilhelm-Orden und darf das Denkmal einweihen.

Charaktäre:

Der alte Buck:

Das inoffizielle Oberhaupt der Stadt, genießt allgemeinen Respekt (48er Revolution), aber seine Macht ist längst nicht mehr so groß, er ist ein liberaler Sozialdemokrat. Er ist der einzige dem Diederich etwas vorspielt oder vorspielen kann. Er hat vor ihm mehr Respekt als er es zu gibt.

Agnes Göppel:

Diederichs erste Liebe, sie ist kränklich und schwach so auch ihre Erscheinung. Sie unterwirft sich D. und ist die erste an der er Macht ausübt. Er lässt sie eiskalt fallen als sie ihn trotz kleiner Mitgift heiraten will, auf ihr darauf folgende schwere psychosomatische Erkrankung reagiert er nur mit Geringschätzung.

Guste Daimchen:

Die 2. Frau in Heßlings Leben, sie ist im Gegensatz zu Agnes sehr stark, selbstbewusst und reich. Bevor sie Diederich heiratet ist sie mit dem Sohn des alten Bucks Wolfgang verlobt.

Napoleon Fischer:

aktiver Sozialdemokrat und Maschinenmeister Heßlings, er stellt den Umsturz dar. Schon vom ersten Augenblick hat Heßling angsterfüllten Respekt vor Fischer, der ihn sogar erpreßt, um sozialistische Ziele zu erreichen.

Diederich Heßling, (ursprl. Hänfling) Protagonist.

Erziehung erfolgte auf zwei verschiedene Arten. Seine Mutter ließ ihn Realitätsverloren in einer Märchenwelt, wobei ihn sein Vater mit Schlägen disziplinierte. Er hatte zuerst Angst vor der Schule, doch dann behauptet er sich und wird zum Spitzel der Lehrer.

Heraus kommt ein Mann, der machthungrig Schwächere übergeht, immer seinen eigenen (materiellen) Vorteil sucht, so fanatisch einen Kaiser verehrt, daß er glaubt dieser selbst zu sein und einer der Frauen nur als Wesen minderen Wertes ansieht. Auch wenn ihm sein Redetalent zugute kommt, erreicht oder schafft eigentlich nichts ohne der erschlichenen Hilfe anderer. Und doch wird diese Art des durchs Lebenkommens von der Gesellschaft nicht hinter fragt, zumindest so lange sie selber davon nicht zu schaden kommt. Genauso nämlich kommt Diederich an die Stelle des Stadtverordneten. Er hat keine konkreten Ideen wie er die Stadt dem Fortschritt nahe bringen kann, das einzige womit er sich immer zu brüstet sind seine Ideale, Überzeugung und seine Kaisertreue. Somit ist er nicht weiter eine Gefahr für die wirkliche Macht sondern vielleicht sogar nur eine Marionette, die nicht mehr nach Idealismus strebt.

Thematik:

Der Roman beschäftigt sich mit dem Begriff Macht, wer sie wie, wo, wann, an wem ausüben darf. "Die Macht" ist für Diederich das Allerhöchste, ihm genügt es schon an den Stiefeln der Macht zu lecken. Schon als Junge empfand er es als Genugtuung, die Aufmerksamkeit des Vaters auf sich zu lenken und dann Prügel zu beziehen. Die ausgeübte Macht und Macht die man selber erfährt, dass waren die zwei Seiten an ihm, der Tyrann und der Untertan. In der Familie (Geldverdiener vs. Geliebter Sohn), der Liebe (Befehlsgewalt über ein niederes Wesen vs. Leidenschaftlicher Hingabe), der Politik (skrupelloser Arbeitgeber vs. machtleckender Untertan). Er selber wiederum musste sich, jedoch nur vor der aller höchsten Macht, der Gottes Macht zu verantworten, bei allem was er Tat. Sein Moralverständnis und auch sein Gewissen wurden durch diese Macht geformt, es stand außer Frage, dass auch seine Schandtaten von der Macht vorherbestimmt waren. Er musste somit auch keine Schuld eingestehen vor keinem, außer Gott.

Die Tatsache, dass Heinrich Mann Diederich dermaßen überzogen darstellt, nebenbei aber auch vernünftige und realistisch handelnde Personen auftreten lässt, ist ein deutliches Zeichen, dass dies als Kritik an den überzogenen Personen zu sehen ist. So ist neben Diederich auch die Person des alten Buck wichtig. Dieser, ein alter, einstmals zum Tode verurteilter Revolutionär von 1848, nimmt die Gegenrolle zu Diederich auf. Er steht für Werte wie Menschlichkeit, Demokratie, Mitgefühl und Nächstenliebe. Diese Figur wird nicht überzogen dargestellt, sondern sehr real: sie ist also ernst zu nehmen. Diederich mit seinen Eigenschaften scheint dagegen lächerlich. Somit verwirft Mann diesen Typus Mensch. Er kritisiert die Kaisertreue und das Untertanenverhalten dieser typisch Deutschen. Die Nationalsozialisten beschworen in Deutschland etwa 20 Jahre später eine ähnliche Situation wie im Kaiserreich herauf. Sie forderten von allen Deutschen das Verhalten von Untertanen. So waren ihnen Heinrich Manns Werke natürlich im Weg, da die Kritik in diesen Büchern ebenso auch auf sie zutraf. Dass unter den Büchern, die am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz verbrannt wurden, auch die Heinrich Manns waren, lässt nur deren politische Brisanz erkennen.

Persönlich Meinung:

Der Untertan ist ein in Prosa geschriebener Roman in ‚leicht‘ verständlichem Deutsch, also eigentlich relativ leicht zu lesen. Der Untertan‘ hat mir recht gut nahe gebracht wie ein bestimmter Menschenschlag seine Taten und sogar seine Gedanken rechtfertigt. Ich könnte mit den neuen Aspekten die mir das Buch eröffnet hat eine 30-seitige Abhandlung über ‚Untertanen, Machtschleicher, Tyrannen Diktatoren und wie gehen sie mit Macht um‘ abfassen. Im Gesamten kann ich diese Buch von Heinrich Mann, dass zu angeblich zu seinen Besten gehört, nur weiter empfehlen.

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