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Buddenbrooks - Roman 1901:

Autor: Thomas Mann (1875-1955)

Entstehungszeit: 1901

Textsorte: Roman (in Volkssprache geschriebenes Werk, dann Prosagroßform im Gegensatz zum Epos)

Literarische Richtung: Deutsche Literatur von 1900 bis 1933 (Bürgerliche Literatur vor dem 1. Weltkrieg)

Autor:

Thomas Mann
* 1875, † 1955, deutscher Schriftsteller; ging 1939 in die USA, wo er 1944 US-amerikanischer Staatsbürger wurde; seit 1952 wohnte er in der Schweiz. Sein Werk lebt aus den Spannungen zwischen Geist und Leben, Kunst und Bürgertum, Todessehnsucht und Lebenspflicht und verbindet sprachliche Artistik mit Ironie.

Werke:

Romane: »Buddenbrooks« (1929 erhielt er dafür den Nobelpreis), »Königliche Hoheit«, »Der Zauberberg«, »Joseph und seine Brüder«, »Lotte in Weimar«, »Doktor Faustus«, »Der Erwählte«, »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull«; Novellen: »Tristan«, »Der Tod in Venedig«, »Tonio Kröger«, »Wälsungenblut

Die Buddenbrooks

"Dieses Werk hat als Milieuschilderung und Darstellung einer konkret erscheinenden Wirklichkeit kaum ein vergleichbares Pendant in der deutschen Literatur. Im ersten Jahr des 20. Jahrhunderts erschienen, entstand ein realistischer, bürgerlicher Roman, der in der Spätblüte der Bourgeoisie spielt. Die bürgerliche Kultur in all ihren Nuancen, der Wandel des Zeitgeistes, der Generationenwechsel, die fortschreitende Entwicklung der einzelnen handelnden Personen, all das ist mit einer Klarheit beschrieben, die nicht oberflächlich ist, sondern in die Tiefen der Psyche der einzelnen Charaktere schürft. Die Geschichte beginnt am geschäftlichen und gesellschaftlichen Höhepunkt einer Familie und endet mit deren Untergang. Geschildert wird der Verfall einer Lübecker Kaufmannsfamilie, deren Wohlstand während der napoleonischen Zeit begründet wurde und die innerhalb von vier Generationen geistig, körperlich und moralisch verfällt; sie löscht mit dem fünfzehnjährigen letzten Nachkommen Hanno aus; dieser ist "ein zum Künstler entarteter", lebensuntauglicher Träumer, der die Musik hingebungsvoll liebt. Künstlertum als Krankheits- oder Degenerationserscheinung bleibt eines der beliebten Inhalte im Werk von Thomas Mann, ebenso wie der Gegensatz zwischen bürgerlicher und künstlerischer Lebensform sein weiteres Schaffen bestimmt.

Der Inhalt:

Die Geschäfte der Getreidefirma Johann Buddenbrook florieren. Im kleinen Kreis feiert Johann Buddenbrook die Einweihung des neuerworbenen stattlichen Hauses. Nach dessen Tod übernimmt sein Sohn, Konsul Johann Buddenbrook, das Geschäft, während sein Halbbruder aus erster Ehe nach einer nicht standesgemäßen Heirat in Hamburg lebt. Dessen drei nicht besonders hübsche Töchter betrachten die Entwicklung des Hauses Buddenbrook mit neidischen Blicken. Der Konsul hat seinen ältesten Sohn, den klugen, jedoch physisch labilen Thomas, sehr bald in das Geschäft aufgenommen, während der zweitgeborene Sohn, Christian, ebenso wie die Tochter Tony mit ihrer Verschwendungssucht dem Vater große Sorgen bereiten. Die jüngste Tochter Klara ist ernst, still und brav. Die Werbung des Geschäftsmannes Grünlich um Tony kommt dem Konsul sehr gelegen, da seine Firma Verluste erlitten hat, doch Tony liebt den Sohn des biederen Lotsenkommandeurs Morten. Schließlich aber willigt sie, teils aus Verzweiflung, Morten als unstandesgemäß nicht heiraten zu können, teils aus Familienbewusstsein, in eine Ehe mit Grünlich ein. Doch bald erweist sich Grünlich als großer Betrüger. Nach seinem völligen Bankrott wird die Ehe geschieden und Tony kommt mit ihrer Tochter Erika zurück ins Elternhaus. Als der Vater einem Schlaganfall erliegt, übernimmt der fleißige, korrekte Thomas die Firma. Christian hingegen wird immer unbeherrschter und unbeständiger. Die fromme Klara wird Gattin des Pastors Tiburtius. Thomas heiratet Gerda Arnoldsen, eine vornehme, nervöse Künstlernatur. Tony geht eine neue Ehe mit dem urwüchsigen Münchner Geschäftsmann Permaneder ein. Sein Bedürfnis nach Ruhe und Gemütlichkeit zerstört alle hochtrabenden Pläne Tonys. Wieder kehrt sie ins Vaterhaus zurück. Auch die Ehe ihrer Tochter Erika scheitert, da deren Mann als Betrüger im Gefängnis endet. Das Kind von Thomas und Gerda, Hanno, ist zart und kränklich. Der Vater ist inzwischen Senator geworden und hat sich ein prachtvolles neues Haus gebaut. Die Hundertjahrfeier der Firma wird mit viel Pomp begangen. Aber die großen Belastungen verbrauchen Thomas frühzeitig. Er beginnt, an sich und seinem Erfolg zu zweifeln. Verluste stellen sich ein, auch der körperlich und seelisch wenig belastbare Hanno enttäuscht ihn. Bruder Christian stürzt durch sein ausschweifendes Leben das Geschäft in Schulden. Ein Schlaganfall auf offener Straße macht dem Leben des Senators frühzeitig ein Ende. Die Firma wird liquidiert; die Witwe zieht in ein kleines Haus. Hanno stirbt im Alter von 15 Jahren an Typhus. Damit erlischt die männliche Linie des Hauses Buddenbrook.

Kurze Romananalyse:

Der Untergang der Buddenbrooks steht für das Schicksal eines patrizischen Bürgertums, an dessen Stelle - im Roman durch den Aufstieg der Familie Hagenström angedeutet - der kapitalistische Bourgeois tritt. Der Untertitel "Verfall einer Familie" darf indessen nicht im pessimistischen Sinne verstanden werden. Verfall ist für Thomas Mann auch die Voraussetzung für neue Lebensformen, Verfall ist Differenzierung und Steigerung der geistigen und ästhetischen Empfindungsfähigkeit.

Thomas Mann hatte zunächst, "nach dem Muster skandinavischer Kaufmanns- und Familienerzählung" gedacht, "die ungefähr das letzte Viertel des Romans, den Verfall Thomas Buddenbrooks und Hannos Tod zum Inhalt hat". Wie bei den späteren Romanen auch, wuchs ihm jedoch das Werk unter den Händen: "Da aber ein epischer Instinkt mich trieb, ab ovo zu beginnen und die gesamte Vorgeschichte mit aufzunehmen, so entstand ... ein als Familien-Saga verkleideter Gesellschaftsroman". Dementsprechend wurde der Roman stets bezogen auf die Sozialgeschichte des Bürgertums, auf dessen Verhaltenskodex und Wertevorstellungen. Am Beispiel der Lübecker Familie schildert Thomas Mann ein allgemeines Phänomen; im ersten Teil des Romans geschieht dies mit den Mitteln realistischer Erzählweise. Die Ereignisse ordnen sich der Chronologie unter, Vergangenes erscheint durch Familienpapiere oder erinnernde Dialoge vergegenwärtigt, die Personen werden mit kunstvoller Indirektheit durch ihre Redeweise charakterisiert. Im zweiten Romanteil jedoch, der mit Hannos Geburt beginnt, bleibt es nicht bei der Erzähltechnik einer Familienchronik. Es ist eine fortschreitenden Differenzierung der Hauptfiguren zu beobachten und die psychologisch vieldeutigen Vorgänge des "Verfalls" werden nicht in traditionell realistischer Weise abgebildet und widergespiegelt. Daher ist es schwierig dieses Buch als einen realistischen Roman zu beschreiben.

Sprachliche und inhaltliche Auffälligkeiten:

Th. Mann fügt in seinen Roman wissenschaftliche Ausführungen, wie z.B. über den Thyphus, ein. Ebenso setzt er eine Kontrastierung und Variation der Motive ein. Motive sind bei den ,,Buddenbrooks" v. a. Personenbeschreibungen, die immer wieder vorkommen und die entsprechenden Personen charakterisieren sollen. (z. B. Grünlich: wasserblaue Augen, goldgelber Backenbart). Seine Leitmotiv ist der Zwang, der auf den einzelnen Mitgliedern der Familie lastet. Dieser Zwang ist in den Handlungen und den Charakteren der Personen zu beobachten. Zum Beispiel Tony Buddenbrook, die nur aus Pflichtgefühl ihre eigentliche Liebe zu Schwarzkopf unterdrückt um ihrer Familienstellung gerecht zu werden und damit Grünlich zu heiraten. Dieses Pflichtgefühl ist bei allen Personen zu finden (außer Christian) und alle haben darunter in gewisser Weise zu leiden. Er ergänzt die direkte Rede durch indirekte Rede und erlebte Rede. Besonders bei der direkten Rede handelt es sich in diesem Roman öfters um Dialektreden, entweder im norddeutschen Plattdeutsch oder in süddeutschen Bayerisch. Unterhalten sich die Familienmitglieder untereinander, so wird nur in einwandfreiem Hochdeutsch einschließlich einiger französischer Begriffe gesprochen. Handelt es sich aber um ein Gespräch mit Angestellten oder Personen von niederem Niveau, so findet die Unterhaltung in Dialekt statt. Ausnahme dabei ist Herr Permander (2. Ehemann von Tony), der lediglich die Bayerische Sprache beherrscht. meist die negativen Charakterzüge der Personen dargestellt werden. Besonders in den Charakterbeschreibungen der Antonie Buddenbrook ist es Th. Mann gelungen die Illusion der Würde einer Familie darzustellen. Mittels gut eingesetzter Komik, ist ihm in ihr die beste komische Gestalt des Romans gelungen.

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