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Brigitta (Adalbert Stifter):


1. Inhalt:

1.1. Inhaltsangabe

Der Autor erzählt in der Ichform von seinen vielen Reisen und Erlebnissen, bei denen er auch den "Major" kennengelernt hat. Aus einer Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft, und nach einigen Jahren schickt ihm der Major einen Brief, in dem er ihn einlädt, zu ihm nach Ungarn zu kommen, da er sich nun endlich niedergelassen hat.

Dort bekommt er einen Einblick in das Leben des Majors, und langsam beginnt er zu verstehen, was den Major festgehalten hat, warum er plötzlich seßhaft geworden ist. Früher war der Major ein vielgereister Mann, überall bewundert und geliebt wegen seiner außergewöhnlichen Schönheit und seines wunderbaren Charakters, einer Seele, die das "Glühendste und Dichterischste" ist.

Langsam beginnt sich auch das Geheimnis um Brigitta zu lösen. Anfänglich nur ein Bild auf dem Tisch im Gästezimmer, erfährt er bald mehr über diese Frau.

In ihrer Kindheit war sie verschlossen und stets unbeachtet gewesen. Sie entwickelte sich mehr zum Manne als zu einer schönen und beliebten Frau. Als nun einst der schöne Stephan Murai in den Heimatort Brigittas kam, auf der Suche nach einem Weib, wurde er von den hübschesten Frauen umworben, doch zog ihn eine seltsame, fast unheimliche Macht nach Brigitta. So kam es, daß die beiden bald verheiratet waren. Sie zogen auf ein Landgut, bekamen einen Sohn. Nach einiger Zeit machte Stephan in einem Wald die "Bekanntschaft" der hübschen Gabriele. Obwohl nichts zwischen den beiden passierte, wurde die Begegnung doch zum Wendepunkt seiner Ehe. Brigitta verlangte die Scheidung, und bald darauf war Brigitta allein auf dem Landgut, Maroshely, mit ihrem Sohn Gustav.

Bald schon stellte sich heraus, daß der Major selber dieser Stephan Murai ist. Doch sollte zwischen Brigitta und ihm die Freundschaft, und nur die, sein. Doch bald darauf "tat das ungefragte Schicksal von selber eine Antwort". Der Ich-Erzähler und der Major waren auf der Jagd, als sie Schüsse hörten, die eindeutig aus den Pistolen des Majors stammten, die er Gustav einst geschenkt hatte. Schnell ritten sie dorthin und sahen Gustav, eingekreist von einem Rudel Wölfe. Der Major sprang helfend ein, später brachen Knechte und Arbeiter zur Wolfsjagd auf. Der verletzte Gustav wurde von einem Arzt versorgt. Nun fiel dem Erzähler wohl die große Traurigkeit des Majors auf, und als er ihn nach derselben fragte, antwortete er: Ich habe kein Kind. Brigitta, die diese Worte vernommen hatte, sprach nur: Stephan. Sie fielen sich in die Arme und versprachen sich, sich nie wieder zu trennen. Happy End.

1.2. Was unterscheidet diese Erzählung deiner Meinung nach von einer herkömmlichen Liebesgeschichte?

Der ungewöhnliche Verlauf der Liebe ist wohl ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zu einer "herkömmlichen" Liebesgeschichte, wobei in den Raum gestellt sei, ob Liebe wirklich eine "herkömmliche" Geschichte schreiben kann, da wir wahrscheinlich alle wissen, daß Liebe immer wieder die ungewöhnlichsten und seltsamsten Wege geht und zahlreiche Überraschungen bereithält.

2. Struktur und Erzähltechnik:

2.1. Wie läßt sich die Erzählung inhaltlich gliedern?

Als Einleitung bekommt man eine wunderbare und ausführliche Landschaftsbeschreibung serviert, die meiner Meinung nach auf die melancholische Stimmung des Autors hinweisen soll.

Im Hauptteil wird man mit dem eigentlichen Inhalt konfrontiert. Man sieht das Leben des Majors und erfährt dann, wer die mysteriöse Brigitte ist und einiges über ihr Leben. Endlich erfährt man auch, daß der Major der ominöse Stephan ist. Man wartet gespannt: Kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht?

Als Höhepunkt gibt’s den Zwischenfall mit Gustav. Die Angst um den gemeinsamen Sohn läßt die alte Liebe endgültig neu entflammen et voilà..

...zum Schluß haben wir unser Liebespaar, der Sohn hat seinen Vater wieder und der Erzähler ist um eine beeindruckende Erfahrung reicher.

2.2. Von welcher Perspektive aus wird die Handlung gesehen?

Der Autor ist der Ich-Erzähler, ein guter Freund des Majors, ein Betrachter der Situation.

2.3. Beschreibe die Position des Erzählers und das Ausmaß der Verwicklung in die Handlung.

Meiner Meinung nach ist der Erzähler bloßer Betrachter der Situation, ein "Mitwisser". Er leistet eigentlich keinen direkten Beitrag zur Handlung. Mit einem Satz schreibt Stifter selbst, wer die Handlung nun eigentlich vorantreibt: "Darauf tat das ungefragte Schicksal von selber eine Antwort, die alles schnell und auf unerwartete Art löste." - das Schicksal.

2.4. Welche Wirkung erzielt Stifter deiner Meinung nach mit dieser Erzähltechnik?

Man bekommt einen Einblick in die Geschehnisse, ohne direkt "beteiligt" zu sein, da der Erzähler als Freund des Majors wie gesagt eher eine Betrachterfigur darstellt. Wenn man sich aber mit dem Erzähler identifiziert, ist man sehr nah am Geschehen, und man beginnt mitzufühlen, da man ja praktisch ein Teil einer großen und ungewöhnlichen Familie ist. Der Erzähler wird nämlich zum engen Vertrauten und in die Familie aufgenommen.

2.5. Welche Funktion haben die einleitenden Erläuterungen des Erzählers?

Die Einleitungen sind, bevor noch die Landschaftsbeschreibungen beginnen, eine Art innerer Monolog, in dem der Erzähler auf eine bizarre Situation oder Wandlung des Lebens hinweisen will. Noch bevor man in die eigentliche Handlung einsteigt, bekommt man ein paar Zeilen zum Nachdenken. Der Leser wird angehalten, da er den Inhalt des inneren Monologs auch auf sein eigenes Leben ummünzen kann.

3. Figuren:

3.1. Wie werden die Figuren charakterisiert?

Der Major ist ein nachdenklicher Mensch, der mehr vom Leben will als die "normale" Gesellschaft. Er erkennt in den Menschen das Wahre, was wirklich zählt, er sieht, was sich hinter einer Fassade befindet. Deshalb wählt er auch Brigitta zu seiner Frau, und nicht eine der unzähligen schönen Mädchen, die ihn umwerben und doch eine wie die andere ist. Doch auch er ist nicht fehlerlos und verfällt dem süßen Schein, als er Gabriele trifft. Seine vielen Reisen haben ihn gebildet und erfahren gemacht.

Brigitta erscheint am Anfang ziemlich stark und kräftig, doch auch gefühllos und kaltherzig. Erst mit der Zeit zeigt sie ihr wahres Ich. Vor anderen verbirgt sie die Gefühle. Sie weint und lacht nicht in Gesellschaft, still sitzt sie in ihrer Ecke, anscheinend angewidert von der vorherrschenden Oberflächlichkeit, von der ihre Mitmenschen sind.

Der Erzähler selbst ist dem Major ziemlich ähnlich. Er scheint anfangs unter ihm zu stehen, da er bewundernd zu ihm aufblickt. Auch er hat die Fähigkeit, hinter die Fassade zu blicken, wenngleich auch nicht so gut wie der Major. Er läßt sich bezaubern von der großen Einfachheit und Ehrlichkeit, die Land und Leute des Majors ausstrahlen.

Gustav ist wie das Land, auf dem er lebt. Einfach und ehrlich und von atemberaubender Schönheit.

3.2. Die Hauptpersonen machen eine Entwicklung durch. Versuche diese Entwicklung zu beschreiben.

Der Major ist vom abenteuerlustigen Jüngling zu einem alten, erfahrenen Mann geworden. Er wußte schon früher, wo die wahre Schönheit liegt. Auch er brauchte jedoch einige Umwege, um sich darüber klar zu werden. Erst im fortgeschrittenen Alter erkennt er den Schatz, den er mit Brigitta einst hatte. Der Zufall kommt ihm glücklicherweise zu Hilfe.

Brigitta hat nie gelernt, ihre Gefühle zu zeigen. So bleibt sie auch den Großteil des Buches. Erst am Ende, als ihr Sohn am Krankenbett liegt, läßt sie zum ersten Mal erkennen, was in ihr vorgeht. Sie hat die harte Schale kurz aufbrechen lassen, vor anderen Menschen. Ein gewaltiger Fortschritt...

Der Erzähler ist wie der Major reisefreudig und abenteuerlustig. Er ist anscheinend auf der Suche nach etwas, das ihm fehlt Beim Major erlebt er, wie seltsam das Leben oft spielen kann. Er lernt, daß die wahre Schönheit oft schwer zu finden ist.

3.3. Inwiefern erklären Brigittas Kindheits- und Jugenderfahrungen ihren späteren Charakter?

Aufgrund ihres Aussehens war sie immer ein Außenseiter. Sie schien schon als Baby bei niemandem wahre Mutter- oder Beschützerinstinkte auszulösen. Sie wurde nicht hochgenommen oder gestreichelt. Während die schönen Schwestern zu heiratsfähigen Damen erzogen wurden, blieb sie stets ein Junge. Sie interessierte sich nicht für die Oberflächlichkeit und Aufgesetztheit ihrer Umgebung. Weil sich niemand für ihre Gefühle interessiert, lernt sie auch nicht, diese zu zeigen. Selbst als ihr Mann sie verläßt, weint sie nur im Stillen ein einziges Mal. Sie hat früh gelernt, mit dem Schicksal und seiner Unabänderlichkeit umzugehen und es zu akzeptieren, wie es ist.

3.4. Warum fühlt sich Stephan von der häßlichen Brigitta angezogen?

Brigitta spiegelt wohl einen Teil von ihm wieder. Sie fällt nicht auf den schönen Schein, auf die Trugbilder der Gesellschaft herein, interessiert sich nicht für all die Feste und Tänze, die eine heile Welt vorgaukeln.

3.5. Was sind ihre Bedingungen für eine Ehe?

Sie fordert "keine andere Liebe als die allerhöchste".

3.6. Warum läßt sie die Ehe vorerst scheitern?

Weil Stephan ihr eben dieses allerhöchste Liebe nicht ganz zuteil kommen ließ, oder nicht fähig dazu war.

3.7. Was machen Brigitta und Stephan nach ihrer Trennung?

Brigitta übernimmt mit ihrem Sohn das Landgut, ist dort Gutsherrin. Stephan reist rund um die Welt.

3.8. Wie erfüllen beide ihre Aufgaben als Gutsherren? Wie stehen die Untergebenen zu ihnen?

Beide gehen auf in ihrer Aufgabe. Man sieht, daß sie die Arbeit sehr ernst nehmen und gemeinsam Ziele erreichen wollen. Die Untergebenen lieben ihre Herren und würden ihnen wohl bis in den Tod folgen.

3.9. Wie finden sie wieder zusammen?

Das Schicksal fügt die beiden wieder zusammen: Ihr gemeinsamer Sohn Gustav wird von einem Rudel Wölfe angegriffen und dabei verletzt. Die Angst um das Kind scheint die innere Barrikade zu überwinden.

3.10. Welche Umstände ermöglichen eine erneute Verbindung nach vielen Jahren?

Sie sind beide gealtert, weiser und auch seßhaft geworden.

3.11. Welche Haltung nimmt der Erzähler zu beiden Hauptfiguren ein?

Er bewundert und liebt den Major. Er nimmt teil an seinem Leben und macht es schlußendlich auch zu seinem eigenen. Er ist neugierig auf Brigitta, die Frau, die es geschafft hatte, den Major für sich zu gewinnen.

4. Die Welt:

4.1. Wo spielt der größte Teil der Handlung?

Der größte Teil spielt im Land des Majors, auf den Gutshöfen in Ungarn.

4.2. Welchen Eindruck gewinnt man von dem von Stephan und Brigitta geführten landwirtschaftlichen Unternehmungen? Welche Rückschlüsse auf die Gutsbesitzer lassen sich daraus ziehen?

Es sind große, umfangreiche Betriebe, die sich in mehrere Richtungen ausbreiten. Wie auch der Bund zwischen mehreren Gutsbesitzern zeigt, nehmen sie ihre Aufgabe sehr ernst.

4.3. Wie empfindet der Erzähler das Leben auf dem Gutshof?

Er fühlt eine große Freiheit, ist begeistert von dem Land und dessen Leute. Außerdem ist er neugierig darauf, was den Major endlich seßhaft gemacht hat. Deshalb läßt er sich auch gern in seine Arbeit einbinden. Schlußendlich, nach stark verlängerten "Ferien in Ungarn" zieht er doch wieder weiter.

4.4. Nur selten kommt es zu dramatischen Szenen. Nenne sie und erläutere ihre Folgen.

Die einzige dramatische Szene, die meiner Meinung nach vorkommt, ist die, in der Gustav von den Wölfen angegriffen wird. Die Angst um das beinahe verlorengegangene Kind bringt Brigitta und den Major wieder zusammen.

5. Natur- und Landschaftsbeschreibungen:

Die Art, wie er das Land beschreibt, läßt mich eine starke Melancholie, beinahe eine Weltuntergangsstimmung vermuten, das Sehnen nach Freiheit, körperliche wie auch seelische. Er erkennt die kleinen Wunder der Natur, die jeden Tag passieren.

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