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Biedermann und Brandstifter - Max Frisch:



Inhaltsverzeichnis:

Vorwort:

Der Begriff "Nachkriegsliteratur" sagt eigentlich schon alles über diese Art der Literatur aus.

Er bezeichnet Literatur, die nach einem Krieg erscheint und sich thematisch direkt oder indirekt mit Ereignissen vor, während oder nach dem Krieg befasst.

Im Fall von Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" ist es der 2. Weltkrieg, der dieses Werk, welches 1958 als Theaterstück uraufgeführt worden ist, geprägt hat.

Meiner Meinung nach ist für die Brandstifter die Machtergreifung Hitlers und sein Buch "Mein Kampf" von zentraler Bedeutung. Ich werde später in meinem Referat noch auf diesen Aspekt zurückkommen, den ich jedoch an dieser Stelle schon einmal genannt haben möchte.

Max Frisch:

Max Frisch wurde am 15.05.1911 in Zürich geboren. Nach dem Abschluss des dortigen Realgymnasiums 1930 begann er 1931 an der Züricher Universität Germanistik zu studieren. Das Studium brach er 1933 jedoch ab, da er durch den Tod seines Vaters in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. So widmete Frisch sich fürs erste dem Journalismus und schrieb für "Die neue Zürcher Zeitung". Nebenbei schrieb er erste Reiseberichte und verfasste sogar seinen ersten Roman. Wachsende Selbstzweifel und eine daraus resultierende Bewusstseinskrise führten dazu, dass er alles von sich Geschriebene verbrannte.
Fortan vermied er jegliche schriftstellerische Tätigkeit.
1936 entschloss Frisch sich zum Beginn eines Architekturstudiums. Ein Freund von ihm unterstützte ihn dabei finanziell. Als er von 1939 bis 1945 seinen Militärdienst leisten musste, führte ihn unter anderem dieser Dienst, unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges, zur Schriftstellerei zurück. Noch während seines Militärdienstes beendet er 1941 sein Studium mit dem Erwerb des Diploms. 1942 heiratet er Constanze von Meyenburg und eröffnet im gleichen Jahr nach Gewinn eines Architekturwettbewerbes ein Architekturbüro. Frisch führte während dieser Zeit einen Doppelberuf als Architekt und Schriftsteller aus.
In den darauffolgenden Jahren unternahm Frisch sehr viele Reisen in das Nachkriegseuropa.

Seine Begegnung mit Brecht und seinen Ideen vom "epischen Theater" am Genfer See 1948 prägte Frisch zunehmend.
1951 ermöglichte ihm ein Rockefeller-Stipendium einen Aufenthalt in den USA, dessen neue Erfahrungen sich u.a. in Frischs "Homo faber" niederschlugen.

1954 war Frisch auf dem literarischen Markt so etabliert, dass er sein Architekturbüro aufgab und sich nur noch der Schriftstellerei widmete. Zu seiner beruflichen Veränderung kam auch ein privater Wandel hinzu. Er trennte sich von seiner Frau Constanze und wechselte fortan häufig seinen Wohnsitz.

1958 wurde sein Stück "Biedermann und die Brandstifter" in Zürich uraufgeführt. 1968 heiratete Frisch erneut. Seine Ehe mit Marianne Oellers wurde jedoch 1978 getrennt. In den 80'er Jahren engagierte sich Frisch zunehmend politisch und hielt häufig Vorträge auf sozialdemokratischen Parteitagen. Seine neuen Dramen verloren immer mehr an Popularität. Zu verworren waren die Verstrickungen seiner Figuren in ihrer undurch- sichtigen Umwelt. Teilweise waren die Vorlagen für diese Dramen einfach nicht spielbar.

Am 4. April 1991 starb Frisch in Zürich.

Entstehung der Brandstifter:

Das Drama "Biedermann und die Brandstifter" entstand nicht von "heute auf morgen". Es lag ihm vielmehr ein Entwicklungszeitraum von 6 Jahren (1948-1954) zu Grunde.

In Frischs "Tagebuch 1946-1949" lässt sich bereits im Jahr 1948 der Biedermann-Stoff finden. Er ist mit dem Titel "Burleske" überschrieben und beinhaltet bereits skizzenhaft den Gang der Handlung. Aus dieser Skizze entwickelte Frisch 1953 das Hörspiel "Herr Biedermann und die Brandstifter".

Erst ein Jahr später arbeitet er das Hörspiel zu einem Theaterstück um. Frisch selbst sagte hierzu:

"Erschöpft vom Homo faber, der eben fertig war, fühlte ich mich nicht fähig, sogleich an das große Stück vom andorrianischen Juden zu gehen. Auch hatte ich lange nicht für die Bühne geschrieben, Fingerübungen waren vonnöten. So nahm ich das Hörspiel, um 2 Monate lang meine Fingerübungen zu machen."

Am 29. März 1958 wurden "Die Brandstifter" in Zürich aufgeführt. Bei der deutschen Erstaufführung in Frankfurt am Main wurde das Nachspiel in der Hölle uraufgeführt.

In dem Nachspiel geht es ganz grob darum, dass alle Personen, nachdem sie alle in den Flammen umgekommen sind, in die Hölle gekommen sind. Die drei Brandstifter sind hier der Teufel selbst und seine Handlanger. Biedermann und seine Frau sind immer noch sie selbst geblieben. Sie haben nichts dazugelernt, genau wie es der Untertitel des Dramas "Ein Lehrstück ohne Lehre" vorgibt.

Inhaltlich möchte ich in diesem Referat nicht weiter auf das Nachspiel eingehen, da es den Rahmen sprengen würde. Ich möchte nur noch erwähnen, dass es von den Kritikern überhaupt nicht gut angenommen worden ist.

Der Inhalt:

Der Inhalt lässt sich kurz und knapp wie folgt wiedergeben:

In der Stadt, in der Gottlieb Biedermann mit seiner Frau Babette und dem Dienstmädchen Anna lebt, werden seit einiger Zeit Brandstiftungen verübt. Sie laufen alle, wie Biedermann aus den Zeitungen weiß, nach dem gleichen Schema ab. Ein scheinbar harmloser Hausierer nistet sich zuvor auf den Dachböden ein, dessen Häuser den Flammen zum Opfer fallen.

Der Fabrikant Biedermann hat selbst panische Angst davor, ein Opfer der Brandstifter zu werden. Er vertritt daher eine sehr harte Position gegenüber den Brandstiftern (... "Man sollte sie alle aufhängen!" ... Szene 1) und verweigert allen Fremden den Zutritt zu seinem Haus.

Als Biedermann jedoch versucht den Ringer Josef Schmitz abzuwimmeln, schafft es dieser auf äußerst geschickte Art und Weise von Biedermann eine Mahlzeit und Obdach zu erbitten.

Als plötzlich Biedermanns Frau Babette nach Hause kommt versteckt er Schmitz auf dem Dachboden und bittet ihn sich für die Nacht ruhig zu verhalten, da seine Frau einen leichten Schlaf und aufgrund der Brandstiftungen große Angst vor Fremden habe.

Am nächsten Morgen gelingt es Schmitz wiederum mit sehr viel Geschick auch Babette davon zu überzeugen, dass man ihm Obdach gewähren müsse.

Nach und nach holt sich Schmitz seine Komplizen Eisenring und Dr. phil. ins Haus der Biedermanns. Ganz unverhehlt deponieren die drei Brandstifter ihre Benzinfässer und alles was sie sonst noch für ihre Brandstiftung benötigen auf dem Dachboden. Sie erklären Biedermann sogar genau, wofür sie die Materialien benötigen und wie sie taktisch vorgehen werden. In seiner Hilflosigkeit hält Biedermann alles für einen Scherz, so dass er sogar mit Eisenring die Zündschnur für sein eigenes Haus abmisst.

Als sich Biedermann seiner Situation bewusst wird, hofft er dass er das Unheil abwenden kann, indem er sich Schmitz und seine Komplizen zu Freunden macht. Die Freundschaft will er durch ein gemeinsames Essen herbeiführen. Bis zuletzt hält Biedermann dennoch daran fest, dass seine Gäste keine Brandstifter seien, obwohl sie selbst zugeben Brandstifter zu sein. Nachdem die Brandstiftern von Biedermann sogar noch Streichhölzer erhalten, begeben sie sich in Richtung Dachboden.

Interpretation der Brandstifter:

Es gibt viele Interpretationen zum Drama von Max Frisch. Die in meinen Augen wichtigsten und interessantesten Interpretationsmöglichkeiten möchte ich hier zeigen.

Manfred Jurgensen interpretiert das Drama folgendermaßen:

"Frisch stellt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem sozialen Bankrott der bürgerlichen Gesellschaft und der akuten Gefahr einer Zerstörung der gesamten Welt durch die Atombombe her. Die "Fässer voller Brennstoff" befinden sich ja auf weltweitem Radius unter dem Dach fast aller bürgerlichen Häuser allein durch die Tatsache nämlich, dass die Existenz der Atombombe von ihnen geduldet wird."

Hellmuth Karasek deutet Frischs "Brandstifter" so:

"Man sieht eine Parabel, in der die Machtergreifung Hitlers treffend eingefangen ist. Die Erfahrung, dass Hitler aus seinen wahren Absichten in "Mein Kampf" nie einen Hehl gemacht hat, ist hier szenisch fassbar geworden. Der Terror kann sich unverblümt geben, sobald er den Bürger mitverstrickt hat, ihn zum Mitschuldigen machte. Er kann sich darauf verlassen, dass das Opfer nicht glauben wird, was es ahnt. Die Feigheit verschließt noch vor der Wahrheit Augen und Ohren:"

Ich halte beide Auslegungen für durchaus möglich. Schließe mich jedoch bei meiner eigenen Interpretation Karasek an. Ich bin der Meinung, dass die drei Brandstifter ganz einfach Faschisten sind, genau wie es Hitler und seine Gefolgsleute wie z.B: Goebbels es waren. Die Brandstifter erzählen Biedermann frei heraus, was sie mit seinem Haus und der ganzen Stadt vorhaben. Sie erläutern Biedermann ihren Plan bis ins kleinste Detail. In seiner ganzen Niedrigkeit, Feigheit und scheinbar auch Naivität fasst er alles als einen Scherz auf. Er verschließt sich dabei völlig in der Manier der drei Affen nichts hören, nichts sehen, nicht sagen.

Adolf Hitler hat von vorneherein in seinem Buch mehr als deutlich nicht nur seinen Antisemitismus und seine Pläne bzgl. der "Reinhaltung der deutschen arischen Rasse" gepredigt, sondern auch andere finstere Vorhaben mehr als verdeutlicht. Die Entschuldigung vieler Deutschen, wir haben davon nichts gewusst, kann meiner Meinung nach so nicht gelten, wenn man bedenkt, dass ein jedes Paar bei der Eheschließung im Dritten Reich, ein Exemplar des Führers erhalten hat. Keiner kann sich also von seiner Mitschuld völlig freisprechen. Die meisten hatten sich mit dem System im Dritten Reich arrangiert, genau wie Biedermann es versucht hat und dabei so manche "Zündschnur" mit vermessen. Als danach die "Fässer" explodiert sind war es zu spät.

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