Home Literatur Epochen Deutsch - Referate Erörterungen Gedichte Biografien Biologie und Chemie Geschichte - Referate Geografie - Referate Dienstprüfung - B-Prüfung Gästebuch Forum Links und Chat


Abschied von Sidonie - Erzählung 1989:


Autor:
Erich Hackl geb. 1954

Entstehungszeit: 1989

Textsorte: Erzählung (ist der umfassende Begriff für epische Kurzformen). Der Begriff wird gebraucht, wenn von verschiedenen Kurzformen gleichzeitig die Rede ist oder wenn keiner der übrigen Begriffe (Novelle, Märchen) anwendbar ist.

Literarische Richtung: Tendenzen der österr. Gegenwartsliteratur seit 1980

Sprachliche u. stilistische Merkmale:

Entstehung:
Erich Hackl hat Archivarbeit geleistet und integriert Dokumentarisches. Er verwirft übliche Techniken realistischer Erzählung, den realistischen Dialog. Weitgehend sachlich und distanziert erfüllt Hackl die schreckliche Chronistenpflicht, bis er an die Stelle kommt, an der er sich "nicht länger hinter Fakten und Mutmaßungen verbergen kann. An der er seine ohnmächtige Wut hinausschreien möchte".

Biografie : geb.1954 in Steyr
studierte Germanistik und Romanistik in Wien und Salzburg , lebt als freier Schriftsteller in Wien und Madrid .

Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur (1991)
Literaturpreis des Verbandes evangelischer Büchereien (1991)
Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur (1994)
Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch (1996)

Werke des Autors :

,,Auroras Anlass (1985)"

,,König Wamba (1991)"

Thematik : Zigeunerverfolgung im zweiten Weltkrieg , ,,über seinen eigenen Schatten zu springen ist schwer"


Personen:

Sidonie Adlersberg

Hans Breirather (Pflegevater)

Josefa Breirather, geb. Degenfellner (Pflegemutter)

Manfred Breirather (Bruder)

Hilde (Schwester, ebenfalls Pflegekind der Fam. Breirather)

Cäcilia Grimm (Fürsorgerin)

Joschi Adlersburg (Zeitzeuge)

Inhalt :

1933 wird das Roma - Mädchen Sidonie Adlersburg vom Portier des Krankenhauses Steyr gefunden. Das Jugendamt Steyr übernimmt die Vormundschaft und stellt Nachforschungen nach den Eltern an, ohne diese ausfindig zu machen. In der Region Steyr herrscht Massenarbeitslosigkeit und soziale Not. Kinder sterben an Unterernährung.
Amalia Dorflinger, Schlossergattin, nimmt Sidonie zunächst in Pflege, muss das Kind jedoch zurückgeben, da ihr Mann sie wegen des Kindes aus dem Haus gejagt hat. Auch andere Menschen begegnen Sidonie mit Vorurteilen und Rassismus. Josefa Breirather nimmt Sidonie zu sich und pflegt das kränkliche Kind aufopferungsvoll gesund.

Ihr Mann Hans, Sozialdemokrat und aktives Mitglied des Schutzbundes, nimmt Sidonie ebenfalls wie ein eigenes Kind an. Auch der leibliche Sohn Manfred sieht in der dunkelhäutigen Sidonie seine Schwester.

Kanzler Dollfuß errichtet eine Diktatur und verbietet die Sozialdemokratische Partei. In Folge des niedergeschlagenen Februaraufstands 1934 wird Hans zu achtzehn Monaten Haft verurteilt. Seine Frau wird von Schule und Kirche schikaniert, schließlich nötigt die Kirche Hans und Josefa die kirchliche Trauung nachzuholen. Sidonie wächst wie Hilde, das zweite Pflegekind der Familie Breirather, wie ein leibliches Kind auf. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im Jahre 1938 nimmt die Gefährdung Sidonies zu. Hans Breirather sieht dies und leistet aus tiefer Überzeugung im Untergrund aktiven Widerstand gegen die Kriegsgefahr.

Die Behörden (Jugendamt und Magistrat in Steyr) intensivieren ihre Suche und benutzen die neu eingerichteten nationalsozialistischen Institutionen, um Sidonies leibliche Eltern ausfindig zu machen. Breirathers, ahnungslos, wissen nichts von diesen Bemühungen und hoffen, Sidonie adoptieren zu können. Zugleich wächst ihre Angst, da plötzlich die "Zigeuner" im Ort ausbleiben. Auch der Ort Letten hat sich gewandelt. Immer mehr Menschen wenden sich den Zielen der Nationalsozialisten zu. Denunziation und Übergriffe gegen Oppositionelle und Fremdarbeiter nehmen zu. Auch Hans Breirather wird denunziert und entgeht nur knapp seiner erneuten Verhaftung.

In der Schule, im Ort und beim Spielen wird Sidonie zunehmend zum Opfer von rassistischen Äußerungen.

Frau Hintergger, eine Papierhändlerin, bereitet Sidonie an Pfingsten 1942 mit der Firmung eine große Freude und drückt ihre Verbundenheit mit Sidonie und der Familie aus.

Das Jugendamt hat über die Kriminalpolizei Sidonies Eltern ausfindig machen lassen und bereitet derweil die Überstellung Sidonies vor. Dazu lässt die Amtsleiterin, Frau Korn, Gutachten durch Schule und Ämter über Sidonie und die Familie Breirather erstellen. Dadurch wird die bestehende Möglichkeit, Sidonie bei den Breirathers zu belassen, unterlaufen. Der Abschied von Sidonie bedeutet für Sidonie wie Hans, Manfred und Josefa Breirather eine menschliche Katastrophe. Alle Bitten von Hans und Josefa Breirather beim Jugendamt, selbst ihr Angebot auf das Pflegegeld für Sidonie zu verzichten, werden abgelehnt. Die Jugendamtsleiterin beruft sich auf eine vorgesetzte dienstliche Anordnung.

Sidonie, von der Fürsorgerin Grimm begleitet, wird nach Hopfgarten zu ihrer Mutter Maria Berger (Adlersburg) überstellt. Dort sind Sinti und Roma in einem "Zigeunerlager" kaserniert worden. Maria Berger ist von der Situation völlig überfordert und bittet Frau Grimm, Sidonie wieder mitzunehmen. Sidonie wehrt sich anfangs und wird schließlich zunehmend apathisch. Bereits einen Tag nach ihrer Überstellung wird Sidonie mit allen Sinti und Roma aus Hopfgarten nach Auschwitz - Birkenau deportiert.

Hans Breirather, nach dem Krieg als "Unbelasteter" Bürgermeister in Sierning, erfährt erst 1947 durch Erkundigungen nach Sidi, dass sie in Auschwitz an Flecktyphus gestorben sei. Hans und Josefa bemühen sich ein öffentliches Gedenken an Sidonie durchzusetzen. Nur der Priester, der sie zur Heirat gezwungen hat, entschuldigt sich. Alle anderen versuchen, sich reinzuwaschen oder tun so, als sei nichts geschehen. Die Fürsorgerin Grimm sieht ihr Verhalten als angemessen.

Alle Bemühungen der Familie Breirather, durch eine Gedenktafel an die Ereignisse zu erinnern, werden in der Gemeinde Sierning unterlaufen. Manfred, Hilde und Josefa Breirather lassen beim Tod von Hans 1980 auf dem Grabstein auch Sidonies Namen setzen. Auch Manfred Breirathers Bemühungen, das Schweigen um Sidonie zu brechen, bleiben ohne Erfolg. Dem Kommunisten Manfred schlägt offene Ablehnung entgegen. Josefa Breirather überwindet den Verlust Sidonies zeitlebens nicht. 1989 stirbt sie und wird sie neben ihrem Mann in Steyr beigesetzt.

1988 erfährt Erich Hackls durch ein Treffen mit Joschi Adlersburg, Sidonies leiblichem Bruder, wie Sidonie in Auschwitz starb: Sie verlor ihren Lebenswillen, aß nichts mehr, rief ständig nach ihren Zieheltern. Sie starb an Entkräftung infolge ihres großen Leids.

Durch den Einsatz und den Erfolg von Hackls Buch wird am Heim der Sozialistischen Jugend in Sierning eine Gedenktafel für Sidonie angebracht. Ein öffentliches Gedenken in/der Gemeinde fehlt bis heute. Hackl beschließt sein Buch durch eine thesenartige Zusammenfassung, in der er auf andere mögliche Verhaltensweisen hinweist, die Sidonie hätten retten können. Genau dies, ergaben seine Recherchen, geschah in Pölfing - Brunn, einem Ort in der Steiermark. Dort wurde ein Sinti - Mädchen vor der Deportation bewahrt.

Eigene Meinung:

Die Kriegszeit war einfach grausam und dieses Buch zeigt auch sehr, dass man damals vor nichts zurückschreckte. Erzählungen und Dokumentationen aus dieser Zeit berühren mich sehr, weil es einfach unverständlich ist für mich, dass man Menschen nach deren Herkunft und Vorfahren diskriminierte. Leider ist das heutzutage auch noch ein wenig so. Wir können froh sein, dass es nicht so extrem ist wie früher, doch leider lernen die Menschen nie aus ihren Fehlern und diskriminieren weiterhin Andersfarbige

Die Geschichte ist kein Märchen. Trotzdem fühlt es sich an wie eine Geschichte. Unser Verstand sagt uns zwar immer wieder, das dies realistisch ist. Erich Hackl erzählt uns diese Geschichte. Lässt gefühlstreibende Floskeln weg. Es genügen die Gegebenheiten, wie sie waren.

zurück zur Deutsch-Seite